Raoul Schrott

Das schweigende Kind

Erzählung
Cover: Das schweigende Kind
Carl Hanser Verlag, München 2012
ISBN 9783446238640
Gebunden, 200 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Ein Mann sitzt in einem Sanatorium an der Grenze der Schweiz. Er erzählt seiner Tochter die Umstände, die zum Tod ihrer Mutter führten. Immer tiefer in seine Vergangenheit eintauchend, zeichnet er Seite für Seite ein Mosaik seines Lebens auf: seine Karriere als Maler, der Auftrag, einen Katalog von Sternbildern zu erstellen, die Zerrüttungen bei der Geburt der Tochter. Was als schonungslose Beichte beginnt, endet als Geständnis: Trägt er Schuld am rätselhaften Tod der Mutter? Raoul Schrotts dichte Erzählung über Gewalt, die Liebe zu einem Kind, Paradiese und Sünde ist ein erschütterndes Zeugnis. Einem Kippbild gleich zieht es die Geschichte eines großen Verlusts unter vielen Blickwinkeln nach.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.04.2012

Den Rahmen für Raoul Schrotts Erzählung "Das schweigende Kind" bildet eine therapeutische Schreibübung des in einer Nervenklinik befindlichen Erzählers, fasst Rezensent Friedhelm Rathjen zusammen. In der auf diese Weise zustande gekommenen Geschichte um die destruktive Liebe zwischen einem Maler und seinem Modell, die durch die Geburt einer Tochter eine unglückliche Wendung nimmt, sei nie wirklich klar, was tatsächlich passiert und was fantasiert ist. Das Buch sei "ein ausgefuchstes Schelmen- und Kabinettstück literarischer Perspektiventechnik", bilanziert Rathjen, dem das aber doch zu wenig ist.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.04.2012

Rezensent Leopold Federmair hat unter Rückgriff auf eine zeitgleich erschienene Sammlung von anschaulichen Vorträgen des Kinderpsychiaters Paulus Hochgatterer manches zu bemäkeln an der Erzählung des hier einmal mehr seine Universalgelehrtheit unter Beweis stellenden Raoul Schrott. Er erzählt in "Das schweigende Kind" von einem von einem psychisch zusehends zerrütteten Vater, den die Geburt seiner Tochter von deren Mutter entfremdet hat, worüber schlussendlich das Kind später verstummt. Verdutzt ist der Rezensent über manches sonderbar anmutende Bild genauso wie über die mangelnde Glaubwürdigkeit der Personenkonstellation der Erzählung, die sich im weiteren Verlauf auch zu einem in Kroatien angesiedelten Krimi-Plot ausweitet. Zugute halten will der Rezensent dem Autor dabei schon, dass dieser sich um eine Auseinandersetzung mit der Schuld des Vaters an der psychischen Störung des Kindes bemüht, allein recht gelungen scheint sie dem etwas uneindeutig bleibenden Rezensent nicht zu sein: Das verstummte Kind wirkt auf ihn fast wie eine Puppe.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.03.2012

Nicht erwärmen kann sich Daniela Strigl für Raoul Schrotts neue Erzählung "Das schweigende Kind". Die Idee, einen Mann in der Opferrolle zu zeigen, nämlich einen Kunststudenten, dessen Partnerin sich von ihm trennt und ihm das gemeinsame Kind entzieht, scheint ihr angesichts der Fülle von Werken über geschundene Frauen durchaus von Interesse. Allerdings hält sie dem Autor vor, für sein legitimes Anliegen nicht die geeigneten literarischen Mittel zu finden. Vor allem missfällt ihr die pathetische Rhetorik des Mannes, der sich an seine abwesende, schweigende Tochter wendet. Sprachlich findet sie das ganze Buch gestelzt, prätentiös, unerträglich in seinem raunenden Ton.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.03.2012

Spannend, lehrreich, reif und bedeutend findet Hans-Herbert Räkel dieses Buch von Raoul Schrott. Dass Schrott diesmal auf jede stilistische Aufdringlichkeit, auf jede Eitelkeit verzichtet, rechnet Räkel ihm hoch an. Das Werk kommt aber auch so selbstverständlich, so treffend daher, meint Räkel, dass es nichts und niemand zu brauchen scheint. Es ist. Und darum stellt sich dem Rezensenten die Frage kaum, wie ein psychiatrisch betreuter Mann seiner verlorenen Tochter derart luzide Bekenntnis- und Erinnerungsprotokolle zu schreiben vermag. Zu dieser Selbstverständlichkeit gehört laut Räkel ein Distanz schaffender Formalismus, ein Klassizismus der Form, der es möglich macht, an ethische Aporien zu rühren, die Räkel schließlich ganz klar als mit dem Sorgerecht verbundene Konflikte benennt.
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