Mit einem Nachwort von Raoul Schrott. Vertraute Welt: dreißigmal skizziert H. C. Artmann in diesem Buch einen Berufsstand, zumeist ein Handwerk, aus der Zeit, als jenes noch einen goldenen Boden hatte, man Brot mit d schrieb und ein Pfeifer pro Tag 85 Kreuzer verdiente. Es scheinen Holzschnitte zu sein wie auf alten Bilderbögen, handkoloriert, die Bildlegenden erklären mit Geduld, was zu sehen ist, und alles scheint den herzlichen Ton aus den Kindertagen der Großeltern zu haben. Vertraute Welt? Wie kam die Wachtel in den gelben Korb des Bäckermeisters? Warum trägt der Dachdecker Raps mit sich? Was hat der Geierjäger dem Bären ins Ohr geflüstert?
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 25.03.2006
Überschwänglich begrüßt Nico Bleutge diese Porträtskizzen von Handwerkern als "eines der wundersamsten Literaturgewächse aus Artmanns Botanisierungstrommel". Das arbeitsreiche Unternehmen, die in diversen Publikationen gedruckten Texte zu sammeln und daraus ein Manuskript zu erstellen, hat sich für ihn voll und ganz ausgezahlt. Alle Stücke sind in acht nummerierte Unterkapitel aufgeteilt, informiert der Rezensent, die es Artmann erlauben, auch Disperses zu verbinden oder "in Reibung zu bringen". Über den Inhalt der Texte gibt es in Bleutges Kritik wenig zu hören, dafür aber viel Lob über den "Gedächtniskünstler" Artmann, der sich Zeit seines Lebens dem Sammeln von Sprachen und Wörtern verschrieben und mit der vorliegenden "literarischen Handwerksmesse" einen weiteren "Gedächtnisspeicher der vergangenen Welt" geschaffen hat.
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