Es ist paradox: die Lyrik hat sich gegen alle Anfechtungen und alle Versuche, sie für tot zu erklären, als resistent erwiesen. Die Gedichte von Seamus Heaney und Inger Christensen, von Anne Duden und Durs Grünbein, von Charles Simic und Les Murray und vielen anderen werden weltweit gelesen, diskutiert und mit Preisen bedacht. Trotzdem scheint der Status der zeitgenössischen Lyrik prekär. Ist die Macht der Poesie ungebrochen, ist ihr Anspruch zeitgemäß, ist ihre manchmal dunkle Sprache, ihr kritischer Anspruch noch zu rechtfertigen? Joachim Sartorius hat sechzehn internationale Lyriker, darunter Yang Lian, Cees Nooteboom, Brigitte Oleschinski, Raoul Schrott und Charles Simic, gebeten, in sehr persönlichen Essays ihre Poetik zu umreißen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.04.2000
Thomas Poiss weist in seiner Besprechung darauf hin, dass der Band nicht nur Essays zur Frage `Was soll Lyrik heute` enthält, sondern jeder Dichter zu seinen Erläuterungen auch ein eigenes und ein fremdes Gedicht gestellt hat. So halte der Leser mit dem Band auch eine "elementare Anthologie in Händen". Die Erläuterungen der Dichter scheinen Poiss nicht sonderlich zu befriedigen: Da balanciert Oswald Egger mit seiner Prosa "hart am Rand des Sinns" und Raoul Schrott liefert gar eine unscharfe Erklärung für die Metapher. Die Gedichte machen aber alles wieder gut. Poiss ist sich mit Charles Simic einig: "Der entscheidende letzte Schritt ist nur in der Kunst gangbar".
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