Nachdem Friedrich von Hardenberg, genannt Novalis, viele Jahre lang vorwiegend als ätherischer romantischer Geisterseher gehandelt wurde, wird sein naturphilosophisches Werk - ähnlich wie das - des jungen Schelling - gegenwärtig auch von wissenschaftstheoretischer Seite neu entdeckt. Anhand der Studien zur Chemie und Alchemie, die Hardenberg als Bergbaufachmann betrieb, versucht die vorliegende Arbeit, ein ganzes Netz von Gedankengängen sichtbar zu machen, das sich bislang dem philosophiegeschichtlichen ebenso wie dem wissenschaftsphilosophischen Zugriff entzog. Über die übliche Einzeldarstellung hinaus wird die romantische Vernetzung der Diskurse anhand verschiedener von Novalis rezipierter Größen wahrgenommen (Kant, Fichte, Schelling, Baader, Eschenmayer, Sömmering, Chladni, Werner, Lampadius, Wiegleb u.a.), wobei auch neue Handschriftenfunde Berücksichtigung finden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.09.2003
Manuela Lenzen rezensiert eine Habilitationsschrift, die eine seltene Kombination aufweist: sie geht sowohl Literaturwissenschaftler wie Chemiker etwas an. Das liegt daran, dass der als romantische Dichter bekannte Friedrich von Hardenberg, alias Novalis gelernter Salinenassessor und Bergbaufachmann war und zugleich Mathematik, Jura und Philosophie studiert hatte. Der Autor habe sich daran gemacht, die diversen Inspirationsquellen der Hardenbergschen Naturphilosophie ausfindig zu machen und dabei ein Stück Geistesgeschichte aufgeschlagen, das wenig bekannt sei, lobt Lenzen. Eines der Liedtkeschen Ergebnisse etwa sei, deutet Lenzen an, dass die Chemie die Geistesgeschichte mindestens ebenso beeinflusst hat wie die Physik. Chemische Metaphern seien den Romantikern äußerst geläufig gewesen. Hardenberg habe die Grenze zwischen der modernen, exakten Naturwissenschaft und der eher spekulativen Alchemie nie sonderlich interessiert, berichtet Lenzen weiter; ihm habe ein dritter Weg zwischen Kreativität und Naturwissenschaft vorgeschwebt: Ein Plädoyer für eine Poetisierung der Wissenschaften.
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