Klappentext

Einst galt die dauerhafte Ruhe als Bedingung von Glück. Heute jedoch wird Unruhe belohnt, das Immer-Unterwegs-Sein, die permanente Veränderung. Der bekannte Kulturphilosoph Ralf Konersmann rekonstruiert, wie die westliche Kultur ihr Meinungssystem revolutionierte und von der Präferenz der Ruhe zur Präferenz der Unruhe überging. Mit genealogischem Blick nimmt er die Unruhe nicht einfach als gegeben, sondern arbeitet heraus, wie sie überhaupt ihren Status hat erlangen können. Denn die Unruhe ist weder bloß Subjekt noch bloß Objekt, sie ist weder Innen noch Außen, weder Mittel noch Zweck, sondern jederzeit beides zugleich. Eine Reise durch die geschichtlichen Stationen einer Vorstellung, die uns heute permanent am Laufen hält und die uns so selbstverständlich erscheint, dass niemand sie grundsätzlich hinterfragt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.10.2015

Ralf Konersmann versucht in "Die Unruhe der Welt" so etwas wie eine Ideengeschichte der Unruhe, erklärt Rezensentin Katharina Teutsch. Wurde Unruhe anfangs noch ganz im Sinne der Vertreibung aus dem Paradies und vor allem des Kains-Fluches - "Rastlos und ruhelos wirst du auf der Erde sein" - als Verlust und Last verstanden, erfuhr die Unruhe mit dem technischen Fortschritt später eine Umdeutung ins Positive, fasst die Rezensentin zusammen. Während Teutsch einzelne Argumentationen nachvollziehbar findet und das Buch für seinen Ideenreichtum lobt, erscheint ihr die Unruhe als Grundlage einer Kulturtheorie, wie Konersmann sie im Sinn zu haben scheint, wenig geeignet: zu wenig lasse sie sich begrifflich ruhig stellen, um sie handhabbar zu machen, so die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 08.08.2015

Marc Reichwein zeigt sich beruhigt, dass Ralf Konersmann mit seinem Buch keine Slowfood-Bibel oder dergleichen vorlegt. Nein, der Autor bietet auch kein erschöpfendes, systematisches Gesamtbild, warnt Reichwein. Allerdings gefällt dem Rezensenten gerade das "aparte" Erkenntnisinteresse, das Buch ordnet er ein in die Tradition gelehrter Diskusgeschichte. Dass der Autor sein Thema besonders innerhalb der Medien- und Mitmachkultur sucht und findet, scheint Reichwein nachvollziehbar. Dem hermeneutisch eher wenig erschlossenen Daseinsgefühl der Unruhe kommt der Autor mit seinem Buch ein ganzes Stück näher, meint er.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.08.2015

Keinen Ratgeber hat Michael Stallknecht mit dem Buch des Philosophen Ralf Konersmann anzupreisen. Zum Glück. Stattdessen erhält der Rezensent einen sprachlich und stilistisch eleganten ideengeschichtlichen Überblick über die Unruhe und wie sie in die Welt kam. Dass der Autor nicht kulturpessimistisch argumentiert, sondern mit Francis Bacon und Hegel Unruhe als Mittel zum Zweck der Kultur begreift, scheint Stallknecht zu gefallen. Auch wenn er das Thema bei Konersmann noch nicht erschöpfend behandelt findet (das Internet, die Weltkriege sowie Texte aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts kommen nicht vor), die Deutung der Unruhe als Zivilisationsmoment schlechthin leuchtet dem Rezensenten ein.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 31.07.2015

Bestens inspiriert, belehrt und unterhalten fühlt sich Christian Thomas von Ralf Konersmanns Genealogie der Unruhe. Nicht erst mit der Moderne ist die Unruhe in die Welt gekommen, lernt der Rezensent, sondern bereits mit der Vertreibung Adams und Evas aus dem Paradies. Das ganze Alte Testament und die Geschichte sowieso können für Konersmann als Beweis für die "Mühlradnatur des Menschen" herhalten; was sich in der Moderne ereignet hat, ist lediglich die Umwidmung der Unruhe vom biblischen Fluch zur verlockenden Verheißung der Zukunft, referiert Thomas angeregt. Auch wenn ihn die Einsicht in die Unentrinnbarkeit der Unruhe schwer beunruhigt, ist er doch begeistert von der Lektüre und findet die Form der "selbstgewissen Entzifferung von Welt" dem Thema angemessener, als es ein platter Lebensratgeber wäre.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.05.2015

Unruhe ist nicht therapierbar, so lautet eine der erstaunlichen Thesen im neuen Buch des Kieler Kulturphilosophen Ralf Konersmann, berichtet Thorsten Jantschek. Konersmann hüpft in "Die Unruhe der Welt" durch die Jahrhunderte der Ideengeschichte und Mythen als gelte es, seinem Titel auch auf dieser Ebene Ausdruck zu verleihen, erklärt der Rezensent. Die Unruhe als lebensbestimmendes Motiv ist für ihn schon in biblischen Erzählungen angelegt und hat auf den verschiedensten Wegen und in fragmentierter Form ihren Weg in das Herz der modernen Gesellschaft gefunden, wo sie nicht mehr als der unliebsame Störfaktor einer paradiesischen Ruhe gilt, sondern als produktive und aktive Funktion eine Umwertung ins Positive erfahren hat: wer rastet, rostet, erinnert Jantschek mit Konersmann. Was aber so sehr in den Tiefenschichten der Gesellschaft funktioniert, lässt sich wohl schwerlich aus dem einzelnen Individuum heraustherapieren, vermutet der Rezensent. Wenn Unruhe also nicht wirklich vermieden werden kann, dann doch bitte bei der Lektüre solch berückender Bücher unruhig sein, findet Jantschek.
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