Ralf Bönt

Gold

Roman
Cover: Gold
Piper Verlag, München 2000
ISBN 9783492040914
Gebunden, 156 Seiten, 15,24 EUR

Klappentext

Die Zeit läuft und keiner will verlieren. Klar, Anna liebt Hans, und Lotte liebt Doro. Aber ganz so einfach ist es nicht, denn Hans liebt auch Lotte und Anna die käufliche Liebe. Es herrscht Aufbruch- und Abrissstimmung im Berlin der Neunziger, und die vier Helden in Ralf Bönts neuem Roman feiern Weihnachten miteinander, ertragen Elternbesuche, Festagsmenüs und einen Flugzeugabsturz. Während sich Tragik ins Geschehen mischt, legt Bönt die Wünsche und abgründigen Fantasien aller Beteiligten bloß, ihre ehrliche Liebe und ihre Trauer.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.08.2000

Obwohl Friedemar Apel dem Autor ein "virtuoses, passagenweise witziges Spiel mit sprachlichen und visuellen Klischees" bescheinigt, so kann er dem Buch summa summarum nur wenig abgewinnen. Weder findet er es unterhaltsam, noch kann er irgendeinen "Erkenntnisgewinn" aus der Lektüre ziehen. Vielmehr fühlt er sich an einen Video-Clip erinnert, bei dem sich schnelle Bilder aneinander reihen oder auch überschneiden, und auch das Hauptthema, von dem das Personal umgetrieben wird - nämlich Sexualität - kann den Rezensenten zumindest in dieser Form nicht vom Hocker hauen. Kein Wunder, dass ein solcher Text mit dem 3sat-Preis ausgezeichnet worden ist, merkt der Rezensent abschließend etwas süffisant an.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 29.07.2000

Dass der Erzähler dieses Romans ein selbstsüchtiger Spießer ist, würde Ulrich Rüdenauer dem Autor noch durchgehen lassen. Eine selbstgefällige Gesellschaft finde in dieser Figur durchaus ihren angemessenen Protagonisten. Auch gegen die Idee, das gesamtdeutsche Treiben der Gegenwart als "soziale Soap Opera" zu inszenieren, hat der Rezensent nicht eigentlich etwas einzuwenden. Den Roman als ganzen mag er aber dennoch nicht. Er ist ihm zugleich zu perfekt und zu schnell durchschaut. Auch mit der "angestrengten Kunst-Alltagssprache" will Rüdenauer keine Geduld haben.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.05.2000

Unter das Motto "Literatur wie Fernsehen" stellt Stephan Krass den Roman von Ralf Bönt vor, in dem Leser zu Zuschauern, Protagonisten zu Spielkandidaten und der Autor zum Moderator einer - meint Krass - recht undurchschaubaren Spielhandlung degradiert werden. Der Moderator sprich Autor kommentiert durchgängig und recht naseweiß die Bemühungen seiner jugendlichen Helden, über Weihnachten und Silvester ihrem Leben und ihren Eltern gerecht zu werden. Was unter dem Siegel "Großstadt-Literatur" firmiere, habe zwar "drive", so Krass, und möglicherweise auch "sound", der aber reiche nur für eine Lesung, "ein Buch trägt er nicht". Ansonsten sei Berlin tatsächlich klasse.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 22.04.2000

Dies scheint ein Berlin-Roman zu sein, der sich tatsächlich mit der Stadt auseinandersetzt. Anschaulich beschreibt Gerrit Bartels, wie die Helden seines Romans in diese Stadt kommen, weil sie "eh spannender als alles andere" ist und wie sie dann herausfinden, dass ihr Leben gemssen an der Stadt "die Geschichte gemacht hat, aber nicht meine", recht unspektukulär bleibt. Diesen Widerspruch zwischen kleiner und großer Geschichte mag Bartels, auch wenn er ihn manchmal etwas konstruiert findet. Bönt schaffe es, eine Art "Berliner Sittenbild" zu entwerfen, "unzählige Missverhältnisse inklusive".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.04.2000

Eva Leipprand beschreibt anschaulich die Konstruktion dieses Romans, der aus einer "Wir-Perspektive" erzählt wird. Die Erzählergruppe - erfolgreiche Macher, `keinem verpflichtet, außer uns selbst`, wie es im Roman heißt - blickt voll Verachtung und "im cleveren Pingpong mit dem Leser" auf ein paar Außenseiter der Gesellschaft, die sich amüsieren, kreuz und quer vögeln und in einem "vulgären Durcheinander" leben. Sie werden von der Gruppe nicht nur beobachtet, sondern auch dirigiert und verleumdet. Doch stellt Leipprand interessiert fest, dass die Außenseiter mit der Zeit "ein kräftiges Eigenleben entwickeln". Gleichzeitig gebe die Gruppe Auskunft über ihr Befinden, dass nicht so simpel sei, wie zu erwarten. Leipprand bescheinigt dem Autor, der nach seinem Debüt "Icks" hier seinen zweiten Roman vorlegt, dass er seine Sprache "sehr originell" weiter entwickelt hat und vermutet, dass ihm dabei auch der Umzug von Bielefeld nach Berlin geholfen hat: `Berlin in jedem Fall ist die Party`, zitiert sie zustimmend den Autor.
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