Wie war das damals in den Sechziger- und Siebzigerjahren, als Velveta und Toast Hawaii den Abendbrottisch bereicherten, der erste VW Käfer vors Haus kam, Heide Rosendahl Weitsprung-Gold holte, Willy Brandt zurücktreten musste und der Kontakt zum anderen Geschlecht so mühsam war? Rainer Moritz erzählt von sich, vom Aufwachsen in einer kleinen Stadt. Wunderbare Jahre ziehen vorbei: mit familiären Sternstunden, österreichischen Sommerurlauben, angenehm unaufgeregten Fernsehabenden und mit unvergessenen Sportmomenten. Vieles war sonderbar und doch wieder typisch für diese Zeit vor ྀ, als die Welt in Deutschland gerade wieder und noch in Ordnung war. Wurden die heute 50-Jährigen deshalb, wie sie sind?
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 26.08.2008
Eingenommen ist Kristina Maidt-Zinke von Rainer Moritz' Buch über seine Kindheit und Jugend in den 60er und 70er Jahren. Die heute 50-Jährigen fristen in ihren Augen zwischen den Achtundsechzigern und der "Generation Golf" ein "popkulturell" eher "unergiebiges Dasein". Schon deshalb begrüßt sie Moritz' Erinnerungsbuch, das die Jahre 1958 bis 1977, den Zeitraum vom Kindergarten bis zum Abitur umspannt. Das Buch scheint ihr auch deshalb gelungen, weil der Autor verzichtet, sich als Humoristen zu gerieren oder - alternativ - alles zu analysieren. Die einer lockeren Chronologie folgenden, in Themen wie "Familie", "Schule", "Politik und Gesellschaft", "Essen und Trinken", "Film und Fernsehen" gegliederten Ausführungen bleiben ihres Erachtens "konsequent dokumentarisch". Moritz versetze sich "in die geschilderten Jahrzehnte mit einer Mischung aus Scheinnaivität und gemütvollem Phlegma, die im Maßstab eins zu eins das damalige Lebensgefühl abbildet". Am Ende der Rückschau bleibt bei Maidt-Zinke ein gewisse Verwunderung darüber, dass sich in Deutschland in den Jahren 1958 bis 1977 doch so wenig geändert hat.
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