Eine Kindheit der Nachkriegszeit im idyllischen Wallfahrtsort Altötting. Doch die Geschichte, die Andreas Altmann erzählt, handelt weder von Gnade noch von Wundern, sondern von brutaler Gewalt und Schrecken ohne Ende. Schonungslos blickt Altmann zurück: auf einen Vater, der als psychisches Wrack aus dem Krieg kommt und den Sohn bis zur Bewusstlosigkeit prügelt, auf eine Mutter, die zu schwach ist, um den Sohn zu schützen, und auf ein Kind, das um sein Überleben kämpft. Erst als Jugendlichem gelingt Altmann die Flucht. Die schreckliche Erfahrung aber kann ihn nicht brechen. Sie wird vielmehr der Schlüssel für ein Leben jenseits des Opferstatus. Ein Leben, in dem er seine Bestimmung als Reporter findet: "Hätte ich eine liebliche Kindheit verbracht, ich hätte nie zu schreiben begonnen, nie die Welt umrundet "
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.10.2011
Bei Psychologen ist dieser autobiografische Rückblick auf eine katastrophale Kindheit und Jugend gut angekommen, weiß Rudolf Neumaier, der selbst weit weniger angetan ist. Und das nicht nur, weil die Erinnerung an einen überaus gewalttätigen Vater, der, ausgerechnet als Devotionalienhändler im Wallfahrtsort Altötting, seine Frau und seine Kinder psychisch und physisch brutal quält, nicht eben spaßig zu lesen ist. Die schonungslose Aufarbeitung hat in den Augen des Rezensenten trotz ihrer Spuren von Selbstironie und Selbstkritik etwas ansatzweise "Selbstgerechtes". Zudem hätten Altmanns rücksichtslose Enthüllungen, nicht nur über das eigene sexuelle Leben, sondern auch über intimste Details aus dem Leben der Mutter oder Ausschweifungen des Klerus, eher in einer Trash-Talkshow Platz, findet Neumaier. Was der Autor schließlich an Reflexionen über die Gründe für die grenzenlose Brutalität des Vaters anbietet, erscheint dem Rezensent dann doch ziemlich dünn.
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