Band I: Gedichte und Lieder, Band II: Erzählungen und Porträts, Band III: Stücke und Libretti, Band IV: Essays und Gespräche.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.07.2004
Jörg Magenau nennt Rainer Kirsch einen "Genießer", einen "formstrengen, traditionsbewussten Schriftsteller" und einen "gewitzten Dichter aus der DDR". Das erste bezieht sich auf die "geballte Sinnlichkeit" seiner Lyrik - "Materialismus hatte für Kirsch immer etwas mit Materie" zu tun, was den sozialistischen "Sittenwächtern" verdächtig vorkam und sie auf bewährte Art mit Sanktionen reagieren ließ. Das zweite meint seine Vorliebe für die Liedform und die Nähe zum Klassizismus Hacks?scher Prägung. Und die dritte Bezeichnung weist darauf hin, dass da einer nach 1989 in der Versenkung verschwunden und jetzt mit einigem Gewinn wiederzuentdecken ist: Kirsch feiert seinen Siebzigsten und bekommt eine Werkausgabe, die laut Magenau "in abwaschbares Lederimitat aus Plaste gebunden" ist und aussieht "wie ein von vierzig auf vier Bände geschrumpfter Lenin". Was aber steht drin, fragt man sich, da der Rezensent vor allem referiert, was nicht drinsteht: Kirschs frühe Gedichte, die "der Entstalinisierung des eigenen Denkens" dienten, der größte Teil der Auftragsarbeiten, mit denen er sein Geld verdiente ("eine Kinderoper, ein Puppenspiel, zahlreiche Hörspiele, eine Landwirtschaftskantate und eine gereimte Geschichte der Mathematik"), ferner seine Übersetzungen und Nachdichtungen aus dem Russischen, nach Ansicht Magenaus vielleicht der bedeutendste Teil des Werkes. Wie oder was auch immer: Der Rezensent hat mit der vorliegenden Auswahl seine Freude gehabt.
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