Rafik Schamis Reflexionen über den Jahrhundertkonflikt in Palästina wurden nicht durch den 11. September ausgelöst. Der Autor ist vielmehr mitten in diesem Konflikt geboren, in Damaskus, einer Stadt, deren Geschichte durch den arabisch-israelischen Konflikt mitbestimmt wurde. Der 11. September bewirkte jedoch eine starke Beschleunigung der Gewaltspirale, und die Vernunft hinkt seither machtlos mit Erklärungen und Mahnungen hinterher.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 05.05.2003
Frank Niess zeigt sich von diesem politischen Tagebuch, dass zwischen Oktober 2001 und Mai 2002 entstanden ist, sehr angetan. Dadurch, dass der Autor in Syrien geboren und seit 1971 im deutschen Exil lebe, nehme er eine Sonderstellungen ein, die ihn vor "Pauschalurteilen" und einseitigen Parteinahmen schützen, so der Rezensent erfreut. Insbesondere die in den Tagebuchnotizen eingestreuten Zahlen und Fakten über Opfer der Intifada und israelischer Vergeltungsaktionen, die man als hinlänglich bekannt und "trivial" abtun könnte, berühren Niess, weil sie seiner Ansicht nach das "Entsetzen" Schamis über das "endlose Töten und Zerstören spürbar" machen. Er preist das Buch als "erfreulich unkonventionell" und bekennt, es mit besonderem "Interesse und Gewinn" gelesen zu haben. Und dass Schami sich nicht als "Islam- oder Nahost-Experte" aufspielt, gefällt dem Rezensenten auch besonders gut.
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