Kimberly Brubaker Bradley

Gras unter meinen Füßen

Das Jahr, als ich leben lernte (ab 11 Jahre)
Cover: Gras unter meinen Füßen
dtv, München 2024
ISBN 9783423641142
Gebunden, 336 Seiten, 16,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Beate Schäfer. Humor, Herzschmerz und der hartnäckige Wille zu überleben Die neunjährige Ada hat die Wohnung noch nie verlassen. Ihre Mutter hat sie weggesperrt und behauptet, Ada sei geistig behindert. Als ihr kleiner Bruder Jamie 1939 aus London aufs Land evakuiert werden soll, um der Bombardierung zu entgehen, entschließt Ada sich, dass sie gemeinsam gehen werden. So beginnt ein großes Abenteuer für die Kinder wie auch für Susan Smith, die Frau, die gezwungen ist, die beiden bei sich aufzunehmen. Während Ada sich das Ponyreiten beibringt und lesen lernt, beginnt sie Susan zu vertrauen - und Susan beginnt, Ada und Jamie zu lieben. Aber wird ihre Bindung ausreichen, um sie gemeinsam durch die Kriegszeit zu bringen? Oder werden Ada und ihr Bruder wieder in die Hände ihrer grausamen Mutter fallen?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.09.2024

Rezensentin Lena Bopp ist sehr angetan von Kimberly Brubaker Bradleys Buch, dessen Plot zunächst paradox anmutet. Je näher der Hauptfigur Ada der Zweite Weltkrieg rückt, desto glücklicher wird ihr Leben. Zunächst wohnt sie, während schon die ersten deutschen Bomben fallen, noch in London bei ihrer Mutter. Die sperrt Ada, die wegen ihres Klumpfußes verachtet wird, in ein wenig glamouröses Zimmer und verweigert ihr den Schulbesuch. Die Sache wendet sich zum Besseren, verrät Bopp, wenn Ada aufs Land geschickt wird und bei einer Dame unterkommt, die sich besser um sie sorgt. Bopp gefällt besonders gut, dass sich Bradley so viel Zeit damit lässt, darzustellen, wie die Hauptfigur nicht sofort, sondern nur Schritt für Schritt lernt, mit neuen Augen auf die Welt zu blicken, und wie sie immer wieder bei kleinen Enttäuschungen mit Rückzug reagiert. Logischerweise läuft die Geschichte auf eine Konfrontation mit der Mutter hinaus, so die Kritikerin, die das Buch dafür schätzt, dass es zeigt, wie schmerzvoll ein Neubeginn erst einmal sein kann.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 26.03.2024

Rezensentin Sylvia Schwab scheint erleichtert zu sein, dass Kimberly Brubaker Bradleys Heldin, das Mädchen Ada, das mit ihrem Bruder bei Ausbruch des Krieges 1939 aus einem bedrückenden Zuhause aufs Land flieht, zum Schluss der Geschichte zwar kein Happy End bekommt, aber dennoch innere Sicherheit gewonnen hat. Zuvor erzählt die Autorin laut Schwab mitreißend und berührend, nie pathetisch von Adas Martyrium, von ihrer Behinderung, einer ablehnenden Mutter und schwindendem Selbstvertrauen. Die Leserin lernt eine mutige, starke Hauptfigur kennen, die die eigene Lage klug analysiert und sich die innere Unabhängigkeit erkämpft, so Schwab begeistert.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.03.2024

Gern kennenlernen würde Rezensent Volker Weidermann Ada, die neunjährige Hauptfigur des Buchs "Gras unter meinen Füßen" von Kimberly Brubaker Bradleys. Gemeinsam mit ihrem Bruder Jamie unternimmt Ada während des zweiten Weltkriegs eine Reise von London in die Provinz, damit einer unglücklichen Kindheit entkommend, und auch einer Mutter, die Ada aufgrund der Fußfehlstellung des Mädchens verachtet, erzählt der Kritiker. In einem Küstenort tun sich die beiden Geschwister mit Susan Smuth zusammen, ihrer Gastmutter, die selbst kinderlos und von privaten Problemen gezeichnet ist. Keineswegs leicht zu überwinden sind die Schwierigkeiten im Leben dieser Figuren, führt Weidermann aus, und es bedarf schon eines Ponys namens Butter, um etwas Licht in diese dunkle, aber eindrücklich ausgestaltete Welt zu bringen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.02.2024

Rezensentin Antje Weber empfiehlt Kimberly Brubaker Bradleys Jugendroman wegen seiner berührenden Figuren und einer eindringlichen Erzählstimme. Aus Sicht der zehnjährigen Ada erzählt die Autorin von Verwahrlosung und Armut im England der Dreißigerjahre und zieht den Leser hinein in die gnadenlose Welt der Vorkriegs- und Kriegsjahre, aber auch in die Welt einer resilienten Kinderseele, erklärt Weber. Wie das Mädchen und ihr Bruder sich durchschlagen, vermittelt der Text laut Weber vielschichtig, zielgruppengerecht und einfühlsam.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 23.02.2024

Ein "Meisterwerk" nennt Rezensent Christoph Vormweg Kimberley Brubaker Bradleys Jugendroman - voll emotionaler Spannung, psychologischer Tiefe, und mit einem beeindruckenden Feingefühl für Paradoxien und Ambivalenzen. Paradox ist zum Beispiel, dass gerade der Zweite Weltkrieg für die junge Ada auch eine Befreiung bedeutet. Für ein Jahr wird das Mädchen mit dem Klumpfuß, das von seiner Mutter stets als Krüppel behandelt nicht einmal das Haus verlassen durfte, nun aufs Land geschickt. Dort lernt sie sich selbst und die Welt kennen, lernt langsam auch mit der ihr so ungewohnten Zuwendung umzugehen. Brubaker Bradley erzählt davon auf klare, direkte und sensible Weise, so der begeisterte Rezensent.

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