Aus dem Französischen von Heide Gerstenberger und Hedwig Linden. Der Staat als politisches Problem oder als bürokratisches Phänomen ist im Streit zwischen leidenschaftlicher Befürwortung und philosophischen Debatten bisher nicht als historisches Objekt erfasst worden. Pierre Rosanvallon will die Lücke mit seinem Werk schließen - und liefert Bilanz und Programm zugleich; denn: Hier wird zum ersten Mal eine Synthese der verfügbaren Arbeiten und eine umfassende kommentierte Bibliographie vorgestellt und ein neuer konzeptueller Rahmen entworfen, um die Geschichte des Staates verstehbar zu machen
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.10.2001
Dieses Buch erhellt nach Dafürhalten von Gerd Roellecke nicht nur den französischen Staat, sondern wirft auch ein Licht auf Europa und den modernen Staat allgemein. Der Rezensent preist den französischen Autor für seine große Fähigkeit, "selbst aus Statistiken Funken zu schlagen" und findet, dass die Entwicklung des französischen Staates "meisterhaft" erzählt wird. Roellecke hat während der Lektüre das wunderbare Gefühl, alles "sofort zu verstehen", wobei er seinem freudigen Erstaunen darüber Ausdruck verleiht, dass selbst die etwas "vegetative politische Philosophie" Foucaults ihm zumindest ein bisschen klarer wird.
Rudolf Walther zeigt sich äußerst angetan von diesem Buch. Zwar findet er, dass der Autor hier keine "umfassende Synthese zur Geschichte des Staates" vorgelegt hat. Es gefällt ihm jedoch, dass Rosanvallon verschiedene Thesen untersucht, "exemplarisches Material" ausbreitet und Ideen vorstellt, "wie eine solche Geschichte zu erarbeiten wäre". Walther betont mehrfach die differenzierte Herangehensweise des Autors, der sich von pauschalisierenden Begriffen wie "Zentralismus" oder der verbreiteten Ansicht, ein Staat sei gleichzusetzen mit der Staatsquote, distanziert. Nach Rosanvallons Meinung könne das Wesen eines Staates nicht mit Statistiken und Quantifizierungen erfasst werden, und daher beleuchte er die Wechselwirkungen von Staat und Gesellschaft, die Brüche in der staatlichen Entwicklung und die "Beziehungen zwischen Politik, Verwaltung und Gesellschaft". Zuletzt weist Walther noch auf die äußerst umfangreiche und "hervorragende gegliederte und kommentierte" Bibliografie hin.
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