Wer waren und was wollten Maschinenstürmer, die im 19. Jahrhundert immer wieder neue Fabriken attackierten? Waren sie von blankem Haß auf die neuen Technologien beseelt oder gar die ersten Vertreter einer sozial verträglichen Technikkontrolle? Michael Spehr zeichnet ein Bild dieser Form des Widerstands gegen die Industrialisierung und eröffnet quasi nebenbei neue Einblicke in die Sozial- und Kulturgeschichte dieser Zeit. Dabei liefert er eine Widerlegung der bis heute populären Mythen des Maschinensturms.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.07.2001
Über "historische Tiefenschärfe" für ein von der hiesigen Geschichtswissenschaft stiefmütterlich behandeltes Thema freut sich Alexander Gallus. Den alten "Mob-Theorien", die in den Maschinenstürmern ziellos Rasende gesehen hatten, wie Gallus erklärt, tritt der Autor überzeugend entgegen. Spehr nämlich unterscheidet: erstens schriftlicher Protest, zweitens Demonstrationen und Streiks und drittens Zerstörung von Produktionsanlagen. Außerdem trifft er "genaue Aussagen über zeitliche Abläufe ... wie über soziale Lage, beruflichen Status, Motive und Ziele der Aufständischen." Den Einfluss von Eric Hobsbawms Studien über den englischen Luddismus will der Rezensent hier erkennen - die Interpretation der Maschinenstürme als Ausdruck "konkreter Existenzängste".
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