Pierre Michon

Die Elf

Roman
Cover: Die Elf
Suhrkamp Verlag, Berlin 2013
ISBN 9783518224748
Gebunden, 120 Seiten, 17,95 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Eva Moldenhauer. Im Mittelpunkt von Pierre Michons neuer Erzählung "Die Elf", einer vertrackten historischen Novelle, steht das berühmteste Gemälde der Französischen Revolution, das im Louvre hinter Panzerglas hängt und elf Direktoriumsmitglieder im Jahr II der Schreckensherrschaft porträtiert. Michon erzählt von dem Maler und dessen Familiengeschichte, von den elf Porträtierten und davon, wie und warum der Künstler den Auftrag zu diesem Bild erhielt - evozierend, akribisch, mit essayistischen Bemerkungen und Ausführungen. Dieses besondere Bild, "Die Elf", schreibt Michon, bilde Geschichte nicht ab, sondern sei Geschichte, ihr Schrecken. Seine ebenso knappe wie virtuose Erzählung baut eine ganz eigene Spannung auf und hält sie, bis zum überraschenden Schluss.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 23.01.2014

Pierre Michons Büchlein "Die Elf" hat Andreas Isenschmid fasziniert, in singenden Wortkaskaden spricht es "durch Malerei über Malerei", erklärt der Rezensent. Michon erzählt die Geschichte eines fiktiven Malers, François-Élie Corentin, und seines berühmtesten Gemäldes, "Die Elf", auf dem die elf Kommissare des Wohlfahrtsausschusses zu sehen sind, in der Mitte Robbespierre, berichtet Isenschmid. Zunächst wirkt es, als wolle Michon so etwas wie geschichtsphilosophische Thesen aufstellen, aber die wirft er selbst umgehend wieder über den Haufen und löst sie in langen Assoziationsketten durch die Kunstgeschichte auf, erklärt der Rezensent. Der rasante Wechsel zwischen Fakt und Fiktion ist Michon laut Isenschmid meisterlich gelungen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.07.2013

Den Umschlag von historischer Wahrheit in Fiktion vermag der Leser hier mitunter gar nicht zu bemerken, weiß Franziska Meier über Pierre Michons kleinen Roman, der, ausgehend von Tiepolos Deckenfresko in Würzburg das Ancien Regime erkundet. Mit dem unmerklichen Übergang vom Fresko zum bildhaften Beschwören von Erdachtem bedient der Autor laut Meier erneut gekonnt das Genre der "demi-fiction" und entwickelt ausgehend von realen Personen ganz eigene Biografien, wie den Maler Corentin. Dass der Autor ferner vertraute Themen angeht, die archaische Welt von Limoges mit ihren armen Einwohnern etwa, scheint für Meier eine ebenso angenehme Seite des Romans zu sein, wie der Umstand, dass Michon präzise, zugleich melodisch schreibt. In der deutschen Übersetzung vermisst Meier ein die vielen Anspielungen im Buch erläuterndes Nachwort.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.04.2013

Das kleine Buch ist für Hans-Peter Kunisch Ausweis der Kunst eines großen Erzählers. Wie Pierre Michon seine Idee von Geschichte als Zufall und Manipulation mittels eines imaginären Malers der Revolution und seines berühmten Werkes ("das Prunkstück des Louvre") umsetzt, bildreich und gedankenintensiv, lässig dabei, doch immer scharf in der Figurenzeichnung, hat Kunisch schwer beeindruckt. Die Handlung spielt laut Rezensent dabei keine so große Rolle, die Spannung liegt für ihn zunächst in der von Eva Moldenhauer "sorgfältig" übersetzten Sprache des Autors. Umso mehr überrascht ihn der kleine Text, wenn er in der zweiten Hälfte plötzlich auch noch Handlungsspannung entwickelt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.03.2013

Derart suggestiv beschwört Pierre Michon das Gemälde des fiktiven Malers Francois-Elie Corentin herauf, dass Rezensentin Lena Bopp es sich am liebsten sofort im Louvre ansehen würde. Aber der Leser dieser Novelle muss im Verlauf erkennen, dass der Maler, der die elf Mitglieder des Wohlfahrtsausschusses der Französischen Revolution malen soll, und zwar so, dass später sowohl huldigende als auch verurteilende Interpretationen der Dargestellten möglich sind, frei erfunden ist, verrät die Rezensentin fasziniert. Für sie ist die Novelle, die sich - vom Maler und dem Gemälde abgesehen - strikt an die historischen Tatsachen hält, auch eine fesselnde Verhandlung der Frage, wer eigentlich Geschichte macht. Die Antwort, die der Autor darauf bereithält, findet die begeisterte Rezensentin genauso nahe liegend wie berückend.