Pia Tafdrup

Tarkowskis Pferde

Gedichte. Zweisprachig dänisch/deutsch
Cover: Tarkowskis Pferde
Edition Lyrik Kabinett, München 2017
ISBN 9783938776452
Broschiert, 117 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Dänischen von Peter Urban-Halle. Tarkowskis Pferde In der Schönheit eines Pferdes auf einer sonnenbeschienenen Weide, an der ich im Zug vorüberfahre, wenige Tage nach dem Todes meines Vaters - sehe ich ihn plötzlich wieder. Ein Déjà-vu kann eine Flut von Erinnerungen auslösen, wie spätestens Marcel Prousts Auf der Suche nach der verlorenen Zeit literarisch beeindruckend belegt. Für Pia Tafdrup ist der Anblick grasender Pferde in der letzten Sequenz von Andrej Tarkowskis Film Andrej Rubljow ein solcher Moment: Nachdem sie Studenten in Jütland ihren Lieblingsfilm gezeigt hat, erblickt sie auf der Rückfahrt zufällig das gleiche Motiv aus dem Zugfenster und plötzlich "ist mein Vater zugegen" - der kurz zuvor gestorben ist. Tafdrup schildert das Erlebnis im Titelgedicht des vorliegenden Bandes, das gleichzeitig das Schlussgedicht ist. Danach stürzen die Erinnerungen auf sie ein, und sie schreibt diesen klar-analytischen wie ergreifenden Zyklus über Demenz und Tod des verehrten Vaters: die Gespräche mit ihm, die Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend, seine zunehmende Verwirrtheit und ihre eigene Hilflosigkeit.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 29.12.2017

Pia Tafdrups Gedichte handeln vom Verlust der Erinnerungen und der Fähigkeit, sie wieder wachzurufen, vollziehen gleichzeitig jedoch die genau entgegengesetzte Bewegung: Sie lassen Erinnerungen entstehen und bewahren diese in Worten, erklärt Rezensent Nico Bleutge. Einfühlsam nähert sich die dänische Lyrikerin der Perspektive ihres Vaters an, den die Alzheimer-Krankheit dazu zwingt, langsam zu vergessen, Abschied zu nehmen, sowie auch seine Tochter von ihm Abschied nehmen muss, lesen wir. Zeilensprünge werden hier zu Gedankenbrüchen, Wörter zu Vexierbildern, sodass der Leser nachvollziehen, mitfühlen kann, wie "die Zusammenhänge der Welt sich lockern", wie Bedeutungen verschwimmen, Erinnerungen brüchig werden, so der beeindruckte Rezensent. Über einige wenige doch recht pathetische Formulierungen und affektierte Alliterationen immer dann, wenn Tafdrup an historische Fakten anzuknüpfen versucht, kann Bleutge leicht hinweglesen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 29.08.2017

Dirk Pilz freut sich sehr, dass die dänische Dichterin Pia Tafdrup nun erstmals ins Deutsche übersetzt wurde. In dem Band "Tarkowskis Pferde", der in Dänemark bereits vor elf Jahren erschien, verarbeitet Tafdrup die lange Krankheit ihres Vaters, der einige Monate vorher gestorben war. Pilz beschreibt Tafdrups Gedichte als "um das wissend, was zwischen Farben und Worten schimmert", als immer pointiert und authentisch, aber dennoch "welterfahrungsoffen". Tadruf sage von sich selbst, so Pilz, dass sie mit jedem ihrer Gedichte Ludwig Wittgensteins berühmtes Zitat "Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen" wiederlegen wolle und dies gelänge ihr auf nahezu übersinnliche Weise.