Aus dem Französischen von Elisabeth Edl und Wolfgang Matz. In dem umfangreichen poetischen Werk von Yves Bonnefoy nimmt "Streichend schreiben" eine bemerkenswerte Sonderstellung ein: Nie zuvor hat Bonnefoy einen Gedichtzyklus geschrieben, der ausschließlich Gedichte in einer einzigen strengen Form enthält: achtundzwanzig Sonette in ihrer klassischen, romanischen Gestalt, vierzehn Verse, verteilt auf zwei Quartette und zwei Terzette. Und zugleich gestaltet er hier Bilder, Themen und Motive, die in großer Kontinuität anknüpfen an die eines ganzen Lebenswerks: Zeit und Erinnerung, Kindheit und Alter, Sprache und Traum, Buch und Bild.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.04.2013
Was es bedeutet, streichend zu schreiben, erfährt Ilma Rakusa anhand der 28 Sonette des bereits 87-jährigen Yves Bonnefoy. Die behütete Form des Sonetts, so schreibt Rakusa, nutzt der Autor hier für einen Prozess der Reduktion und Dekonstruktion, an dessen Ende den Leser nicht selten neue Sinnverknüpfungen erwarten. Ein Glück, das für Rakusa durch die zweisprachige Ausgabe gesteigert wird. Darüber hinaus hat die Hermetik der Texte auf die Rezensentin eine unwiderstehliche Sogwirkung, da Motive (auch aus früheren Gedichten des Autors) und Fährten sie durch die Gedichte leiten. So kommt Rakusa in den Genuss grundlegender Fragestellungen, die Landschaft und Alter berühren, doch ohne dass sie das Verständnis für die Texte verliert.
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