Philippe Sollers

Der Kavalier im Louvre

Vivant Denon (1747-1825)
Cover: Der Kavalier im Louvre
Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg 2000
ISBN 9783884231685
Gebunden, 330 Seiten, 25,46 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Hans Thill. Wer den Louvre besuchen will, wird heute durch die eindrucksvolle Glaspyramide des Küntlers Ieoh Ming Pei geführt. Sie ist der Hinweis auf die Ursprünge des wohl berühmtesten Museums der Welt in der Ägyptenbegeisterung eines Mannes: Dominique Vivant Denon. Dieser war allerdings mehr als "nur" der Erfinder des ersten Museums der Welt. Er war burgundischer Landedelmann, Freidenker, Frauenfreund und Künstler, geistreicher Plauderer und Diplomat, Sammler von Kunstwerken der Antike wie des Mittelalters. Und weit mehr als ein vielseitiger Tausendsassa, war Denon eine Persönlichkeit, die in einer turbulenten Zeit zu bestehen wusste, sich gegen die Intrigen des Königshofes ebenso zur Wehr setzte, wie gegen spätere Nachstellungen von jakobinischer Seite zur Zeit des Terrors. Philippe Sollers, Galionsfigur des intellektuellen Frankreichs, zeichnet das Leben dieses vollendeten Kavaliers und Frauenlieblings anhand von Geheimakten und Briefen nach. Sollers erzählt und wertet, philosophiert und zitiert, so entsteht das faszinierende Porträt eines großen Mannes im Auge des Orkans, mühelos reflektierend, elegant erzählt, ein Meisterwerk in der Tradition Voltaires.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 29.03.2001

Mit Ursula Pia Jauch ist Philippe Sollers an eine besonders kundige Rezensentin geraten. Sie weiß viel über den französischen Schriftsteller, Graveur, Diplomaten und Gründer des Louvre Baron Denon, dem es gelungen ist, sämtliche Erschütterungen der europäischen Geschichte zwischen 1747 und 1825 schadlos zu überstehen. Und weil Jauch die Literatur über diese schillernde Figur kennt, schneidet Sollers Buch eher schlecht ab. Zu viel Pathos, zu viel seelische Anteilnahme bescheinigt die Rezensentin dem Autor. Und vor allem zu viele "auktoriale Eitelkeiten" des Verfassers. Zu sehr sonnt sich Sollers im Licht seines Protagonisten, kritisiert Jauch. Er sehe sich selbst als "Bruder im Geiste" - das findet Jauch nun wirklich vermessen. Wenn nur ein nüchterner Lektor in eine solche Nabelschau straff eingegriffen hätte, das Buch wäre für die Rezensentin lesenswerter gewesen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 11.01.2001

Walter van Rossum kann dem Roman, der Vivant Denon, eine historisch verbürgte Figur aus dem 18. Jahrhundert, zum Mittelpunkt macht, nichts abgewinnen. Er erkennt in dem Protagonisten ein "vertieftes Selbstporträt" des Protagonisten, warnt allerdings, dass der französische Autor nicht nur wenig Neues zu der Person Denons mitteilt, sondern auch manche Information unterdrückt und so ein zumindest verzerrtes Bild von ihm entwirft. Der Rezensent bemerkt, dass der Autor versucht, "Denon zum Kronzeugen eines moralisches Spielertum zurechtzuplaudern", wobei es nicht zu übersehen sei, dass das allein schon "lebenspraktisch" einfach nicht funktioniere. Er wirft dem Autor vor, den Versuch zu unternehmen, "ein metaphysisches System aus reinen Kalendersprüchen" aufzubauen und dabei jede "konkrete historische Annäherung" an die Figur zu vermeiden und sie statt dessen zur reinen Selbststilisierung zu missbrauchen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.11.2000

Philippe Sollers hat einen "frei kreisenden Essay" über den französischen Schriftsteller und Museumsmann Dominique Vivant Denon geschrieben und Hans Grössel wird nicht warm damit. Das Leben des Aristokraten, der in der Revolution vom Maler David protegiert wurde und für Napoleon in Preußen massenweise Kunst klaute, bietet für die Reflexion viele Ansatzpunkte, aber Sollers suggeriert "kryptische Beziehungen" und schreibt selbstgefällig in der "Haltung nachträglicher Zeitgenossenschaft", moniert Grössel.
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