Yves Bonnefoy

Beschriebener Stein und andere Gedichte

Französisch - Deutsch
Cover: Beschriebener Stein und andere Gedichte
Carl Hanser Verlag, München 2004
ISBN 9783446204768
Kartoniert, 356 Seiten, 21,50 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Friedhelm Kemp. Die frühen Zyklen des französischen Dichters Yves Bonnefoy zum ersten Mal in vollständiger Übersetzung. Schon hier zeigt sich das bezeichnende Doppelgesicht Bonnefoys: der bildhafte, erzählende Hintergrund, die Wiederkehr immer gleicher Zeichen und Symbole.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.12.2004

Hanns Grössel porträtiert sehr gelehrt den "bedeutendsten lebenden französischen Dichter", Yves Bonnefoy. Der Dichter ist zwar kein "Formzertrümmerer", hat aber die Bindung an Formen und Maße der französischen Lyrik erheblich gelockert, konstatiert der Kritiker, als Referenzrahmen bleiben sie gleichwohl noch erkennbar. Grössel doziert: Auf 68 Gedichte des Buchs "Douwe" kommen "263 zwölffüßige Alexandriner und 197 andersfüßige Verse, darunter vorwiegend ungeradzahlige". Weiter wird darüber unterrichtet, dass die "sozusagen marmorne Vollkommenheit eines Gedichts, wie sie schon Theophile Gautier und den Lyrikern des Parnasse vorschwebte", Bonnefoy gar nichts bedeute. Die Übersetzung hat laut Rezensent Friedhelm Kemp besorgt, in freundschaftlicher Zusammenarbeit mit dem Lyriker. Dieser Kollaboration verdanken wir, so Drössel, "die Bekanntschaft mit einer Lyrik, die ebenso weltumspannend wie erdnah ist".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.09.2004

Anhand dieser zweisprachigen Ausgabe, die die Gedichte aus Yves Bonnefoys Debütband von 1953 sowie der beiden folgenden Lyrikbände versammelt, können nun auch deutsche Leser das Frühwerk dieses mittlerweile 81-jährigen Autors entdecken, freut sich Sibylle Cramer. Für sie ist es besonders augenfällig, wie stark die inhaltliche Kontinuität des Werkes des französischen Lyrikers ist, denn man findet im vorliegenden Band die "vertrauten Bilder und Themen", die auch noch ein halbes Jahrhundert später Bonnefoys Werk prägen. Die Rezensentin sieht den Autor in der Tradition des Surrealismus, indem Bonnefoy im "Festhalten an einem Konkreten" an das "surrealistische Experiment" anschließen, ohne dass er sich beispielsweise dem automatischen Schreiben, das ganz auf das Unbewusste setzt, verschrieben hätte. Dabei seien die einzelnen Gedichte durch Kürze und Einfachheit geprägt, die man nicht als "Schlichtheit missverstehen" sollte, betont Cramer. Bei den Gedichten steht die "Aussage" im Vordergrund, wobei einzelne Beobachtungen aneinander gereiht werden, ohne das sich zwangsläufig daraus eine Synthese ergibt, erklärt die Rezensentin. Dabei entstehe durch immer wiederkehrende Elemente wie "Haus, Scheune, Pfad" ein durch Aussparung geformtes "verkleinertes, übersichtliches, vollkommen durchschaubares, täuschend sinnfälliges Modell von Welt", so die Rezensentin weiter, die in der "spannungsreichen Modernität" den Grund dafür sieht, dass Bonnefoy am ehesten in Lyrikerkreisen bekannt und geschätzt ist.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.07.2004

Yves Bonnefoy, weiß Harald Hartung, hat durch den Surrealismus seinen Weg gefunden, der ihn als noch jungen Dichter jedoch wieder davon wegführte - aus einem Erkunder des Unbewussten wurde ein "Archäologe des Wortes". Denn die Referenz und Inspiration seiner frühen Gedichte waren Steine und Inschriften: Grabsteine, Epitaphe. Sie sprechen, schreibt Hartung, "vom Tod, seiner lastenden dunklen Endgültigkeit", doch "wo ein beschriebener Stein ist, eine Grabschrift, ist auch jemand mitgedacht, der liest und spricht, gibt es den Hauch einer Stimme, die das Dunkle benennt, die das Dunkle aufhebt". Steine und Stimmen - andächtig und tief berührt hat der Rezensent diese Gedichte gelesen; eine besondere Erwähnung gilt dem "kongenialen Übersetzer" Friedhelm Kemp.
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