Philippe Claudel

Das Geräusch der Schlüssel

Cover: Das Geräusch der Schlüssel
Friedenauer Presse, Berlin 2010
ISBN 9783932109645
Gebunden, 109 Seiten, 16,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Rainer G. Schmidt. In Momentaufnahmen erinnert sich der französische Schriftsteller Philippe Claudel an seine elfjährige Lehrertätigkeit im Untersuchungsgefängnis von Nancy in Lothringen. Text um Text dringt man tiefer ein in die "Parallelwelt" Gefängnis, die aber doch auf bizarren Kanälen mit der Wirklichkeit "draußen" kommuniziert. Auf die Ausgrenzung seitens der Gesellschaft antworten die Ausgegrenzten mit den hilflosen oder aggressiven Zuckungen einer verkümmernden Vorstellungskraft. Das Gefängnis wird zum Zerrbild der Gesellschaft, bildet eine irreale Realität. Claudel klagt keineswegs an, sein Blick ist fast der des Ethnologen, der aber Mitgefühl zeigt. Er bewertet weder die schaurigen Verbrechen der "Häftlinge", noch liefert er psychologische Deutungen. In scharfen Beobachtungen bildet er die mentalen Scheidewände ab, die sich letztlich in Gefängnismauern konkretisieren. Zugleich unterstreicht er Gesten der Menschlichkeit bei Gefangenen wie bei Wärtern. Lakonische Protokolle einer Fremdheit mitten in unserer Gesellschaft. Blinder Fleck, den wir vielleicht durch diese Texte wahrzunehmen lernen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.09.2011

Philippe Claudels Gefängnisbuch "Das Geräusch der Schlüssel" hat Florian Welle sichtlich beeindruckt. Dem Autor, der elf Jahre als Lehrer für Literatur in einer Haftanstalt tätig war, gelingt es in seinen Augen, den Mikrokosmos des Gefängnisses in Momentaufnahmen, Eindrücken und Reflexionen zum Leben zu erwecken. Claudels Beobachtungen fangen für ihn den Alltag der Gefangenen, der Wärter und der Angehörigen nüchtern und zugleich literarisch ein. Er attestiert dem Autor, nie zu werten, nicht zu entschuldigen oder zu verurteilen. Die Willkür der Wärter etwa werde ebenso beschrieben wie ihre Hilfsbereitschaft. Zudem schätzt Welle die Bescheidenheit des Autors, der sich nicht anmaßt, die Gefängniswelt endgültig erfasst zu haben.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.11.2010

Der Schriftsteller Philippe Claudel berichtet hier aus eigenem Erleben. Elf Jahre hat er in Gefängnissen Literatur unterrichtet. Eindrücklich schildert er, was es heißt, Gefängnisse zu betreten und sie wieder zu verlassen. Und was es heißt, darin eingesperrt zu sein. Zu einer der eindrücklichsten Szenen des schmalen Bands gehört für den Rezensenten Jochen Schimmang die Beschreibung der Gefangenen, die nur für Momente hinausdürfen in die Öffentlichkeit, um die Mülltonnen nach draußen zu bringen. Sie blicken zu Boden, sie wollen von der Freiheit, die nicht die ihre sein kann, nichts sehen, und gehen, so schnell es geht, wieder zurück. Nicht weniger überzeugend findet Schimmang die oft sehr knappen Porträts einzelner Häftlinge. "Rhizomatisch" sei das Erzählen Claudels - und darin auf beeindruckende Weise dem Gegenstand angemessen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 04.10.2010

Renate Wiggershaus betritt die Parallelwelt Gefängnis. Geführt von dem französischen Schriftsteller und Regisseur Philippe Claudel, der hier Literatur unterrichtete, streift sie durch feuchte Gänge, riecht den Schweiß und den Kohlgeruch und horcht auf das Rasseln der Schlüssel und das Brüllen der Wärter. Schön ist das nicht, was Claudel in seinen Miniaturen festhält, lässt uns Wiggershaus wissen. Doch ist auch ihre Faszination spürbar angesichts der uns unbekannten Welt hinter den Mauern und ihrer laut Claudel aufs Vegetative reduzierten Insassen. Angesichts der vom Autor vermittelten Hoffnung auch, nicht jede menschliche Regung sei hier erstorben.
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