Rita Selitrenny

Doppelte Überwachung

Geheimdienstliche Ermittlungsmethoden in den DDR-Untersuchungshaftanstalten
Cover: Doppelte Überwachung
Ch. Links Verlag, Berlin 2004
ISBN 9783861533115
Kartoniert, 516 Seiten, 24,80 EUR

Klappentext

Bis zum heutigen Zeitpunkt dürfte nur einer kleinen Insidergruppe überhaupt bekannt sein, dass neben dem MfS-Untersuchungsorgan, der sogenannten Linie IX, auch bei der Polizei eine Abteilung K-II als staatliches Untersuchungsorgan geheimdienstlich operierte: Hier wird erstmalig ihre Rolle, Stellung, Funktion und Arbeitsweise vorgestellt. Das Handbuch gibt allen Historikern und Betroffenen erstmals einen systematischen Überblick über die geheimdienstlichen Ermittlungsmethoden in den DDR-Untersuchungshaftanstalten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.06.2004

Rita Selitrenny ist für ihre Analyse der Vorgehensweise der Untersuchungsorgane des Ministeriums für Staatssicherheit und des Ministeriums des Innern in politischen und kriminellen Strafsachen besonders qualifiziert, stellt Karl Wilhelm Fricke fest. Denn sie ist "selbst Betroffene". Ihr Vater war unter zwei Diktaturen Verfolgter, sie selbst schlug sich als "Archivassistentin, Serviererin, Gaststättenleiterin, Verkäuferin und Näherin durchs Leben". Seit ihrer Promotion 2001 arbeitet sie an der FU Berlin als Lehrbeauftragte. Mit unglaublicher Hartnäckigkeit habe die Autorin sich durch ihr Thema geackert, habe "Myriaden von Akten aus den einstigen Archiven des MfS und des MdI ausgewertet", um herauszubekommen, mit welchen Methoden die DDR-Justiz noch in der Haft ihre Ermittlungen fortsetzte. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass es sich bei der DDR um einen "perfekten Normensimulationsstaat" gehandelt habe, "in dem die formell geltenden Gesetzesnormen durch Maßnahmen der Exekutivorgane faktisch durchbrochen wurden". Dennoch findet Fricke Selitrennys Arbeit "wenig zufriedenstellend". Von sachlichen Fehlern einmal abgesehen, so der Rezensent, gelte die schlichte Formel: "Weniger wäre mehr gewesen." Dieses Prinzip hätte dem Leser manche "überflüssigen Exkurse und inhaltlichen Redundanzen" erspart und wäre zudem "Gliederung und innerem Aufbau" zugute gekommen.