Klappentext
Entlang welcher Linien sortieren sich die politischen Konflikte unserer Zeit? Unsere hergebrachten Ordnungsbegriffe scheinen mittlerweile keine sichere Orientierung mehr zu bieten. Denn heute steht häufig ein linkes Bürgertum gegen eine rechte Arbeiterschaft - und "progressiver Neoliberalismus" und kulturell rechte, aber zunehmend verteilungspolitisch linke populistische Parteien markieren die Pole einer neuen Hauptachse des politischen Konflikts. In Spaltungslinien interpretiert der Politikwissenschaftler Philip Manow diese neue Lage als Resultat der Transformation europäischer Parteiensysteme. Diese Transformation selbst, so die zentrale These des Essays, ist eine Reaktion auf die Infragestellung des Nationalstaats als jener Ebene, auf die hin sich bislang gesellschaftliche Interessen organisiert hatten. Wenn diese Diagnose zutrifft, ist die Krise der Gegenwart nicht mit dem Aufkommen einer neuen, kulturellen Spaltungslinie zu erklären - etwa als Gegnerschaft von Kosmopoliten und Kommunitaristen, von "Anywheres" und "Somewheres". Sie führt vielmehr zur Erosion bisheriger Formen politischer Interessenvermittlung, so dass unser gewohnter Fokus auf Parteien und ihre relative Stärke uns über die politische Entwicklung gar nicht mehr hinreichend aufzuklären vermag. Sie führt weiterhin zur Ausbildung einer neuen Hauptkonfliktachse zwischen gesellschafts- und verteilungspolitischem Liberalismus einerseits und gesellschafts- und verteilungspolitischem Illiberalismus andererseits.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 20.05.2026
Rezensent Eckhard Jesse liest Philip Manows neues Buch mit viel Interesse und ein bisschen Skepsis. Manow argumentiert, dass die entscheidenden politischen Konfliktlinien in unserer Gegenwart nicht mehr zwischen rechts und links verlaufen, sondern zwischen liberalen und illiberalen Positionen, insbesondere mit Blick auf die Europapolitik. Die Konzentration auf rechts und links übersieht laut Manow, dass in diesen Kategorien sozioökonomische (Verteilungsgerechtigkeit) und soziokulturelle (Einwanderungsgesellschaft) oft auf wenig produktive Weise vermischt werden. Sinnvoller ist für ihn eine Differenzierung zwischen pro-europäischen Mitte-Parteien und europakritischen Parteien an beiden politischen Rändern. Jesse ist sich in diesem Punkt nicht ganz sicher und fragt: Ist die Europapolitik wirklich so wichtig, dass sie auch nationale Wahlen entscheidet? Dennoch hat der Autor, heißt es zum Schluss, ein inhaltlich wie methodisch anspruchsvolles Buch jenseits moralisierender Schnellschussdiagnosen geschrieben - empfehlenswert ist es freilich ob seiner Komplexität eher für Fachleute als für Laien.
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