Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping suchte am Rande der Pegida-Demonstrationen in Dresden das Gespräch mit Teilnehmern und hörte dort wiederholt den Satz: "Integriert doch erst mal uns!" Er kam von Ostdeutschen, die nach den wirtschaftlichen Verwerfungen infolge der deutschen Einheit nicht wieder auf die Beine gekommen sind und sich über zahlreiche Ungerechtigkeiten der Nachwendezeit beklagten. Dies nahm sie zum Anlass, in vielen Orten das Gespräch zu suchen, um die Probleme genauer zu erfahren.
Entstanden ist danach eine Streitschrift, in der sie offen die bis heute ungeklärten Probleme thematisiert: die verheerende Politik der Treuhand, den Wegfall von Betriebsrenten, die Besetzung der meisten Schlüsselpositionen im Osten durch Westdeutsche. Zeit für einen anderen Umgang mit dem Osten!
Anja Maier schätzt an Petra Köppings Versuch, die ostdeutsche Seele zu verstehen, die Sachkenntnis der Autorin. Was die SPD-Politikerin auf Sachsens Straßen und Plätzen an Bürgermeinungen gesammelt hat und hier aufschreibt, offenbart Maier die unbewältigten Demütigungen und Ungerechtigkeiten der Nachwendezeit und die gestörte Ost-West-Beziehung. Wenn die Autorin sich um Erklärungen und Heilungspläne bemüht, zugleich aber daran erinnert, dass sich mit keiner schlechten Erfahrung faschistische Positionen rechtfertigen lassen, weiß Maier: Dieses Buch ist ein Glücksfall.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.09.2018
Rezensent Japser von Altenbockum wünscht dem auf ihre Rede am "Politischen Reformationstag" der SPD im Oktober 2016 zurückgehenden Buch der sächsischen Integrationsministerin Petra Köpping viele Leser vor allem im Westen. Dass Köpping bisweilen in Schablonen über die Fehler der Wiedervereinigung schreibt, wie der Rezensent feststellt, ändert für ihn nichts am Erfahrungsschatz der Autorin, ihrer Kenntnis von Land und Leuten und ihrer bedenkenswerten, laut Altenbockum temperamentvoll vorgetragenen These, derzufolge die Vorgänge im Osten eine "späte Reaktion" auf Transformation nach dem Mauerfall sind. Schwierig findet der Rezensent Köppings Verwendung von Begriffen wie "Wende" oder "Revolution", die seiner Meinung nach das Leben der Menschen noch lange nicht einfangen.
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