In Zeiten der Globalisierung ist der Streit über das, was 'deutsch' sein soll, neu ausgebrochen. Eine 'deutsche Identität' wird zur politischen Forderung. Bereits in den 60er Jahren hatte Theodor W. Adorno sich die Frage, was 'deutsch' sei, gestellt und eine noch heute aktuelle Antwort gegeben. Der Essay erinnert an sie und macht klar, inwiefern Adornos Nachfolger die Philosophie des kritischen Theoretikers verraten und in einer rechthaberischen Wissenschaftsesoterik verspielen.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 22.03.2017
In seiner essayistischen Dreifach-Besprechung beschäftigt sich Rezensent Micha Brumlik ausführlich mit einer sehr alten Frage, die, folgt man den aktuellen politischen sowie kulturpolitischen Debatten, nun wieder in den Blick des Zeitgeist geraten zu sein scheint: die Frage nach der deutschen Identität. Während Brumlik Gerhard Waldherrs zahlen- und faktengesättigtes Kursbuch "Deutschkunde" relativ schnell als wenig hilfreich erkennt und zur Seite legt, widmet er Dieter Borchmeyers gut zu lesendem, 1000-seitigen philosophischen Panorama "Was ist deutsch?" und Peter Trawnys pointiertem, um neun Zehntel kürzeren Essay unter dem selben Titel ein umfangreiches Resümee der Positionen und Argumentationslinien beider Autoren. Borchmeyers und Trawnys Antworten auf die zentrale Frage sind einander radikal entgegengesetzt und doch teilen sich beide dasselbe Feindbild: den Verfassungspatriotismus, den Jürgen Habermas einst proklamierte. Auf Basis der beiden Texte kommt Brumlik schließlich zu dem Schluss, dass die Frage nach dem Wesen des Deutschen außerhalb des rein politischen Bereichs, das heißt, abgesehen von Verfassung, Außen- und Innenpolitik, ganz einfach nicht zu beantworten ist.
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