Die Moral der Abwendung sollte Teil unserer Lebenskunst sein. Doch Abwendung ist keineswegs immer möglich oder statthaft. Die Menschen sind oft Gefangene ihrer Situation, in Gefühle verstrickt, durch Verträge gebunden, umgeben von Grenzen und Mauern, denen kaum jemand entkommt. Gerade deshalb sollten unsere Beziehungen derart gestaltet sein, dass wir uns notfalls umdrehen und weggehen können sowohl innerlich als äußerlich, individuell und sozial.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 17.09.2020
Rezensent Eike Gebhardt hätte sich Genaueres gewünscht vom Philosophen Peter Strasser. Wenn Strasser den Einzelnen in der Gesellschaft unter einem Belagerungszustand sieht, dem Diktat des Aufeinanderzugehens ausgesetzt, und dagegen eine "Ethik der Abwendung" empfiehlt, zeigt sich Gebhardt interessiert. Allerdings steckt der Teufel im Detail, erkennt der Rezensent. Strasser versucht ihn mit Norbert Elias aus der Reserve zu locken, aus "scheinbar natürlichen Verhaltensweisen", die aber von Übervorsicht und Misstrauen beherrscht sind. Gebhardt lobt die "lebenspraktische Vernunft" des Textes um ein spannendes Thema, vermisst aber die eingehendere Beschäftigung mit den Einzelheiten, wie etwa den Ausrufern des "zwanglosen Zwangs".
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