Thorsten Palzhoff

Nebentage

Roman
Cover: Nebentage
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2018
ISBN 9783100590060
Gebunden, 336 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Nach einem Unfall sitzt Tobias Voss in einem Verhörraum, vor ihm zwei Pässe, zwei Identitäten. Und er beginnt zu erzählen, wer dieser Felix Fehling war, dessen Namen er vor fünfeinhalb Jahren in den Wirren der Nachwendezeit abgelegt hat. Als junger Mann aus dem Westen verschlug es ihn nach Leipzig, als die Stadt gerade im Ausnahmezustand war: Montagsdemo, Karneval und Orkanböen an einem Tag. Dort verliebte er sich in Nica, die ihn mitnahm in ein Leipzig der Revolutionäre und Immobilienhändler, der Hochstapler und Idealisten.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 15.03.2018

Über ein Jahrzehnt ist Thorsten Palzhoffs erzählerisches Debüt "Tasmon" schon her, verrät Rezensent Alexander Camann am Rande seines Spaziergangs mit dem Dortmunder Autor durch Leipzig und fügt hinzu: Das Warten hat sich gelohnt. Denn Palzhoffs Roman, laut Kritiker einer der besten der vergangenen deutschen Literaturjahre, besteche nicht nur durch Spannung, Rhythmus, Bildreichtum und atmosphärische Dichte, sondern auch durch eine überzeugende, klischee- und pathosfreie Story: Erzählt wird die Geschichte von Tobias Voss, der als Felix Fehling in Bonn geboren, nach der Wende ins postrevolutionäre Leipzig gerät, eine neue Identität annimmt und mit der jungen Nica durch jene historischen Wochen streift. Mehr Familien-, Kriminal- und Leipzigroman denn Wenderoman attestiert Palzhoff dem Autor nicht zuletzt ein ausgezeichnetes Formbewusstsein und eine "domestiziert expressive Sprache" voller wunderbarer Wortneuschöpfungen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.03.2018

Rezensentin Jutta Person lässt sich von Thorsten Palzhoffs Schelmenroman von der westfälischen Provinz in die ostdeutsche "Trümmerromantik" der Nachwendezeit nehmen. Dort nämlich baut sich Palzhoffs "Tschick"-ähnlicher "Dortmund-Desperado" Mitte der Neunziger ein neues Leben samt neuer Identität auf, resümiert die Kritikerin, die vor allem das Gespür des Autors für Zweideutigkeiten und Grautöne bewundert. Mitunter ist ihr der Erzählton zwar zu getragen, der Sogkraft und der schwarzen Tragikkomigk des Romans kann sie aber schon allein wegen der gelungenen Gefängnis-Kapitel nicht entziehen.

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