Dirk von Petersdorff

Verlorene Kämpfe

Cover: Verlorene Kämpfe
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2001
ISBN 9783100610041
Gebunden, 190 Seiten, 20,40 EUR

Klappentext

Wenn viele Wahrheiten nebeneinander bestehen, wenn Meinungen kommen und gehen, dann fehlt bald der Halt. Wenn man das Ziel aus den Augen verliert oder den Glauben oder eine Ideologie, wird die Angabe der Richtung zum Problem und die Teile werden kein Ganzes mehr. Dann ist es Zeit, die veränderte Welt nach dem Ende der Großen Erzählungen zu beschreiben. Und es ist Zeit, das zu tun, was lange verpönt war: die Form wieder zu entdecken. Beides hat Petersdorff in seinen Gedichten gemacht, und er begründet es in seinen Essays, die sich mit der Literatur der Moderne, vor allem der Lyrik dieses Jahrhunderts auseinandersetzen: Benn, Henscheid, Gernhardt und Enzensberger.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.08.2001

Der Titel des Buchs deutet es an, und Wolfgang Lange sagt es rundheraus: "ein weiterer deprimierend ausgefallener Kassensturz". Von den Abrechnungen mit der Avantgarde hat Lange allerdings zweifelsfrei genug, den Bankrott der ästhetischen Moderne will er sich nicht wieder und wieder vorbeten lassen, auch nicht, wenn einer seinen Forderungen derart klar Ausdruck verleiht wie dieser Autor - das alles ist nicht neu, die Diagnose nicht und nicht die Indizien. Überdies aber ist eine politisch korrekte, pragmatische Kunst, wie sie hier vom Autor als Ausweg skizziert wird, in den Augen des Rezensenten "kaum weniger simpel und schematisch als die der von ihm inkriminierten Avantgarde." Kunstreligion sei ein Unding, so Lange, und was den Widerstreit von Kunst und Leben angehe: "er ist nicht zu schlichten ... Aus gutem Grund."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.07.2001

Gedankenreich und streitbar findet Hugo Dittberner die sechs Essays des 1966 geborenen Kleist-Preisträgers Dirk von Petersdorff. Der Wissenschaft mag die Basis für die weitgespannten Thesen des Lyrikers schmal und die Freiheit, mit der er die Essays miteinander verknüpft hat, strapaziert erscheinen, mutmaßt der Rezensent. Egal, denkt Dittberner, denn für ihn zählen die "zündenden Formulierungen" des Autors. Den Essay über Gottfried Benn findet er unbestritten "meisterlich, aufschlussreich" und "spannend", die Besprechung des Kursbuches Nr. 15 aus dem Jahr 1968 "erkenntnisreich" und "geschmeidig". Auch wenn die Essays zu Beginn inspirierender seien als gegen Ende - Ausführungen über Literaturtheorie und Geschichtsphilosophie hat der Rezensent schon lange nicht mehr mit so viel Genuss gelesen wie in Petersdorffs Essays.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.03.2001

Man könnte den 32-jährigen Germanisten Dirk von Petersdorff mit Hans Magnus Enzensberger vergleichen -mit Abstrichen, denkt Albert von Schirnding. 1998 erhielt Petersdorff nach der Veröffentlichung zweier Lyrikbände den Kleist-Preis, informiert der Rezensent. Der Essayband "Verlorene Kämpfe" könnte die gleiche Bedeutung erlangen wie Enzensbergers "Einzelheiten". Nur, für bahnbrechend hält von Schirnding den Band nicht. Originell, interessant, aber auch bestreitbar findet er eine These, die der Autor allen acht Essays zugrundelegt: Der ästhetische Modernismus um 1800 sei nicht nur Teil einer auf der Französischen Revolution fußenden Moderne gewesen, sondern stünde zugleich in deren Widerspruch. Einleuchtend findet der Rezensent Petersdorffs Gedanken, die Kunst sei formal und inhaltlich zunehmend engherziger geworden. Auf Kritik stößt beim Rezensenten allerdings der Ansatz des Autors, sämtliche Autoren und Positionen bei der Frage nach Gewalt und Krieg in einen Topf zu werfen. Seine Riesenklammer, Literatur zwischen Moderne und Antimoderne zu verorten, lässt eine differenzierte Betrachtung einzelner literarischer Strömungen nicht zu, meint von Schirnding.
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