Peter Nadas

Spurensicherung

Cover: Spurensicherung
Berlin Verlag, Berlin 2007
ISBN 9783827007599
Gebunden, 171 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Aus dem Ungarischen von Akos Doma und Ruth Futaky. Die Titelerzählung ist eine Spurensicherung im Untergrund: In einer heruntergekommenen alten Villa in der Hügellandschaft von Buda, in der sich eine Freundin Ende der 70er Jahre zur Sommerfrische eingemietet hat, identifiziert der Autor mit Hilfe von Fotos, Skizzen und Zeugenaussagen jene geheime Verhör- und Folterstätte der ungarischen Staatssicherheit, die von Bela Szasz, einem der wenigen Überlebenden des ersten Schauprozesses in Ungarn, in seinen Erinnerungen ("Freiwillige für den Galgen") als Ort seiner Gefangenschaft beschrieben worden war. Ein Haus des Schreckens, auf dessen einstige Bestimmung nur noch schalldichte Türen und vermauerte Zugänge, vor allem aber das bei den Verhören benutzte sechseckige Turmzimmer hinweisen... Aus einer Komposition von erzählenden und dokumentarischen Texten, Fotos und persönlichen Notizen lässt Peter Nadas ein eindrückliches Bild des osteuropäischen Lebensgefühls nach dem Scheitern der Reformbewegungen entstehen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.02.2008

Sehr eingenommen ist Rezensent Thomas Grob von diesem Band mit Texten von Peter Nadas über die kommunistische Diktatur in Ungarn. Die in dem Band versammelten Texte - Erzählungen, Rechercheberichte, ein Essay, Selbstkommentare und ein Interview - unterscheiden sich für ihn in ihrem Fokus, basieren aber allesamt auf den eigenen Erfahrungen des Autors. Neben der Titelerzählung über die dunkle Geschichte einer Villa in Budapest, die während der Zeit der stalinistischen Säuberungen für brutale Verhöre genutzt wurde, hebt er den Bericht über einen zu Unrecht entlassenen Schuldirektor in der Provinz hervor. Grob attestiert dem Autor, als "Beobachter und Archäologe" mit kompromisslosem, "klaren Blick" aufzutreten, der sich gegen das weitverbreitete Totschweigen der Geschichte in Ungarn wendet, mit dem er hart ins Gericht geht. Erstaunlich scheint Grob dabei die Gelassenheit und der Humor, der über allen Texten liegt, der aber niemals in Sarkasmus oder schneller Versöhnung mündet.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 24.01.2008

Beispielhaft findet Ilma Rakusa diesen Band: Ein Exempel geschriebenen Klartextes (in den älteren Essays des Buches) und des schonungslosen Umgangs mit der Vergangenheit in kommunistischer Diktatur (in neueren Essays wie "Parasitäre Systeme"). In Essays und Reportagen erinnert sich Peter Nadas, recherchiert und setzt sich auseinander mit dem, was er vorfindet, mit dem, was war, und eben auch mit dem Umgang seiner Landsleute mit dem Gewesenen. Mit diesem Buch stellt Nadas eine "dokumentarische Recherche" gegen den allgegenwärtigen Wunsch zu verdrängen. Im titelgebenden Text "Spurensicherung" aus dem Jahr 1977 schreibt er über eine Villa in Budapest, die der Schauplatz von Folter war. Im abgedruckten Gespräch "Die Haut retten" spricht Nadas über seine eigenen Kämpfe mit "Chefideologen und Zensoren". Bewundernswert das alles, so Rakusa, weil stets an der "Logik der Dinge" interessiert und nicht an moralisierender Klage.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.01.2008

Reichlich niedergeschmettert hat Sabine Brandt diesen Band mit Erzählungen des ungarischen Schriftstellers Peter Nadas gelesen, an dessen Ende die Erkenntnis steht, dass nach Jahrzehnten der Diktatur die Menschen "nicht ohne weiteres" frei werden. Nadas schildert darin typische Begebenheiten aus dem totalitären und post-totalitären Alltag des Regimes, besonders hervor hebt die Rezensentin die Geschichte um einen Denunzianten und die um den Schriftsteller Bela Szasz, dem 1949 der erste Schauprozess in Ungarn gemacht wurde. Bedrückt, zum Teil mit Entsetzen hat Brandt diese Erzählungen gelesen, die dabei keinerlei Trost bereithalten, nur Wahrheit: "Wenn sie uns erschreckt, dann ist es an uns, mit ihr fertig zu werden."
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