Krisztina Toth

Strichcode

Fünfzehn erzählte Begebenheiten
Cover: Strichcode
Berlin Verlag, Berlin 2011
ISBN 9783827010544
Gebunden, 205 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Ungarischen von Ernö Zeltner. Dem Kindheits-Ich, das durch diese Geschichten huscht, war der Strichcode ein vertrautes Geheimnis. Ein untrügliches Erkennungsmerkmal für Waren aus dem Westen, meist unerreichbar im Ungarn der Kadar-Zeit. Und zugleich ein rätselhaftes Zeichen, von dem es hieß, es erfasse die Dinge in ihrem Wesen. In fünfzehn Begebenheiten versucht Krisztina Toth den Strichcode des eigenen Lebens zu entschlüsseln und blickt lakonisch auf ihr früheres Selbst: das Kind, das in der Budapester U-Bahn zum ersten Mal eine Tote erblickt; das Mädchen, dessen Vater ihre Puppe in den Ofen wirft, weil die Familie beim Umzug "nur das Nötigste" mitnimmt; die Teenagerin, die sich seit der Ankunft ihrer amerikanischen Gastschülerin von allen Seiten zurückgesetzt fühlt; die Studentin, die sich in einem schäbigen Pariser Wohnheim in eine heftige Liebesaffäre stürzt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.07.2012

Judith Leister ist ganz aus dem Häuschen angesichts dieser brachialen und doch sensiblen, traurigen und doch humorvollen, in jedem Fall aber vitalen Prosa. Was die Ungarin Krisztina Toth in ihren laut Leister sowohl als zusammenhängende Erzählung auch als einzeln funktionierenden, hoch konzentrierten Texten an Verlorenen, an Erniedrigten und Traumatisierten versammelt, lebt für die Rezensentin allerdings nur vordergründig von Ekel- und Schockeffekten. Dahinter entdeckt sie historisch-politische Bedingungen, Kindheitserfahrungen im sozialistischen Plattenbau und im globalen Supermarkt, von Brüchen gezeichnete Lebenslinien. Die Linie als Strukturprinzip, für Leister gleichfalls offenbar in den Texten der Autorin als Trenn-, Schnitt- oder Grenzlinie unterstreicht das Fragmentarische dieser Erzählungen, die die Rezensentin "manchmal an verwackelte Urlaubsvideos erinnern".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.01.2012

Georg Renöckl muss mehr als einmal schlucken angesichts all der körperlichen und seelischen Verheerungen in Kindheit und Jugend, auf die Krisztina Toths Erzählerin zurückschaut. Das Ungarn hinterm Eisernen Vorhang war kein Kinderparadies, soviel weiß er jetzt. Aber auch später hat die Erzählerin kein Glück, und so entsteht eine Identität aus lauter Narben. Dass der Rezensent die fünfzehn Texte, die sich einzeln wie auch als Ganzes lesen lassen, wie er erklärt, dennoch mit Genuss liest, liegt an der souveränen Kunst der Autorin, der stimmig vermittelten kindlichen Welt und Wahrnehmung, dem Witz bei all dem Horror. Für Renöckl eine faszinierende Entdeckung, das Buch wie auch die scheinbar eher scheue Autorin, die in ihrer Heimat vor allem als Lyrikerin bekannt ist.
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