Aus dem Ungarischen von Mirza von Schüchting. Mit einem Vorwort von Peter Nadas. Lizzy, die zierlich-mollige Französin, zerbrechlich wie ein teurer Flakon, fällt wie eine Himmelsgabe in das Leben ihres Mannes, des schwerblütigen und grobschlächtigen holländischen Kapitäns Jacob Störr. Ihre Schönheit ist für ihn allerdings ein Geschenk, das er nicht wirklich genießen kann: Seine maßlose Eifersucht liefert ihm den Vorwand für zahllose Affären und Eskapaden, die weniger dem Verhalten seiner Frau als allein seiner grotesken Egozentrik geschuldet sind. Denn Jacob Störr ist ein amoralischer Zeitgenosse, der von seiner Umwelt gerade deshalb Anstand und Verlässlichkeit verlangt, weil ihm selbst beide Tugenden völlig fremd sind.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 12.01.2008
Dieses Buch wird es, vermutet Andreas Breitenstein, neben all den ästhetisch doch eher gemütlich-konventionellen ungarischen Zwischenkriegsromanen von Sandor Marai und Antal Szerb eher schwer haben. Und zwar weil es ein ganz anderes literarisches Kaliber ist, das es dem Leser nicht einfach macht. Zu nicht geringen Teilen liegt das am Ich-Erzähler und Helden, mit dem zu sympathisieren beinahe unmöglich ist. Ein narzisstischer, verlogener, großsprecherischer Ex-Kapitän mit Namen Jacob Störr, der hier das Scheitern seiner Ehe erzählt, an dem er selbst zu nicht geringen Teilen die Schuld trägt. Das ganze ist, so Breitenstein, in der Anlage überaus kompliziert und kaum nacherzählbar. Es gibt Anekdoten en masse, es geht nach Paris und nach London und zuletzt gar noch nach Südamerika. Dieser Jacob Störr jedoch ist, und darum habe das mit seinen widerlichen Zügen eben seine Richtigkeit, ein "Repräsentant seiner Epoche" in einem ambitionierten und, wenn wir den Rezensenten richtig verstehen, auch bedeutenden Romane seiner Zeit.
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