Peter Kurzeck

Bis er kommt

Das alte Jahrhundert, Band 6. Romanfragment
Cover: Bis er kommt
Stroemfeld Verlag, Frankfurt/Main und Basel 2015
ISBN 9783866000902
Gebunden, 350 Seiten, 24,80 EUR

Klappentext

Aus dem Nachlass herausgegeben von Rudi Deuble und Alexander Losse. Ein kleiner Regen ist eben weitergezogen. Grau der Tag und voller Ahnungen, aber auch wie schon gewesen. Alles still, wie erstarrt, feucht ist die Luft. Wir sehen den Erzähler ein letztes Mal im Jahr 1983 in Bockenheim. Beeilt er sich? Er kommt aus dem Haus. Die Tür fällt hinter ihm zu. Zwischen dem Pfl aster wächst Gras. Und auf dem Dach gegenüber ein Taubengegurre. Wie gestern. Wie vor einem Jahr. Oktober. Wie spät? Auf die Kreuzung zu. Große Schritte. Er hat keinen Schirm mit. Hast du nicht vor ein paar Jahren noch gedacht, daß du nie stirbst?
An dem Roman "Bis er kommt" hat Peter Kurzeck bis wenige Wochen vor seinem Tod gearbeitet. Das Buch war als sechster Band der großen autobiografisch-poetischen Chronik "Das alte Jahrhundert" geplant. Das Romanfragment umfasst 16 fertige und ein angefangenes 17. Kapitel, nach Peter Kurzecks Aussage ungefähr die Hälfte des Romans. Die Geschichte von Jürgen und Pascale. Ihr kleines Restaurant in Barjac. Der Vater auf dem Goldenen Steig. Eine Katze, die den Blick nicht wenden kann von dem Windrädchen. Geschichten von Sibylle und Carina. Ein Happy End und das Leben geht weiter.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.01.2016

Rainer Moritz nimmt sich den ersten Band der Nachlassedition aus dem Werk von Peter Kurzeck vor und stellt fest: Das Romanfragment und die im Anhang versammelten Notizen ergeben ein weiteres Kurzeck-Buch, wie der Kurzeck-Leser sie schon kennt, randvoll mit feinen Alltagsbeobachtungen, Genreszenen und Stillleben aus Sicht eines Außenseiters. Darüber hinaus aber, das hält Moritz ebenso fest, handelt es sich um ein Buch von zeithistorischer Bedeutung, ein Abbild des Lebens von der Adenauer- bis in die Helmut-Kohl-Zeit, das laut Rezensent besticht, da sein Autor erzählte Zeit und Erzählzeit im Erinnerungsstrom seines Protagonisten zu verbinden weiß.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.01.2016

Mit großer Sympathie liest Rezensentin Beate Tröger Peter Kurzecks nachgelassenes Romanfragment "Bis er kommt". Es sollte der sechste Band seiner autobiografischen Chronik "Das alte Jahrhundert" werden. Kurzeck starb vor der Fertigstellung, nur etwa die Hälfte des Buchs konnte er noch schreiben, erzählt Tröger. Wie in den anderen Bänden sucht Kurzeck im Ordnen und Beschreiben des Alltäglichen Angst und Zerfall zu bändigen, so die Rezensentin. Hier geht es konkret um einen Freund, der von seiner Frau verlassen wurde und mit dem der Ich-Erzähler bangt und hofft, dass sie zurückkehren möge. Man kann sich mit Kurzeck langweilen, gibt die Kritikerin zu. Ihr enthüllt sich allerdings mit jedem Band mehr die Tiefe der Kurzeckschen Auslotungen unserer Zeit.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.10.2015

Wie ein Gebet empfindet Rezensent Jörg Magenau Peter Kurzecks aus Wiederholungsschleifen aufgebaute Prosa mitunter. Dass der Autor den vorliegenden Roman nicht mehr abschließen konnte, ist natürlich ein Jammer. Andererseits eröffnet das der Leserin laut Magenau die Chance, einen Blick in Kurzecks Schreibwerkstatt zu werfen. Zu sehen: die Fragmente einer einfach alles einschließenwollenden Chronik des Jahres 1983, Familienglückszeit für den damals im Frankfurter Westend lebenden Autor, wie Magenau weiß. Es geht ums Vorlesen, Kaffetrinken, Rauchen und ums Vergehen der Zeit, erklärt Magenau, der den Kapiteln die Unfertigkeit anmerkt. Die von den Herausgebern mit veröffentlichten Stufen, Entwürfe und Ideen überfordern Magenau zwar manchmal. Die Maßlosikeit von Kurzecks Ansatz jedoch vermittelt dem Rezensenten auch ungeheure Kraft, Poesie und Lebensfreude.
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