Klappentext

Übersetzt von Barbara Schaden. Peter Demetz ist einer der letzten Zeugen einer Stadt, die wie keine andere über Jahrhunderte für das fruchtbare Miteinander der verschiedenen europäischen Kulturen stand. Deutsche, Tschechen und Juden verband in Prag eine wechselhafte gemeinsame Geschichte, die mit Hitler endgültig zu Ende ging. Der Zeit der deutschen Okkupation zwischen 1939 und 1945, zugleich die finstersten Jahre, die er in seiner Heimatstadt verbrachte, hat Peter Demetz nun endlich ein großes Erinnerungsbuch gewidmet, das ein einzigartiges Licht auf eine alles verändernde Epoche der europäischen Geschichte wirft.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.12.2007

Ganz angetan zeigt sich Christoph Bartmann von Peter Demetz' Erinnerungen an sein Leben in Prag in den Jahren von 1939 bis 1945. Besonders schätzt er den doppelten Blick des Autors auf die Stadt, der als Historiker die Jahre der deutschen Okkupation schildert und als Schriftsteller spannend von sich, seiner Familie und Leben und Überleben in Prag erzählt. Die Verbindung von Forschung und Zeitzeugenschaft hat Bartmann selten so gelungen erlebt wie in diesem Buch. Er würdigt den souveränen Überblick des Autors über die Forschung zum Thema inklusive der neueren tschechischen Historiografie. Erhellend findet er auch die Ausführungen über die Reaktionen der tschechischen Faschisten auf den deutschen Einmarsch und die Porträts der zentralen Figuren der deutschen Zwangsherrschaft wie von Neurath, Heydrich und Frank. Dabei unterstreicht der Rezensent aber, dass das Buch auch in seinem historiografischen Teil weniger von Gräuel-Taten und Verfolgung erzählt als vom urbanen, zivilen und kulturellen Leben Prags bis in die Kriegstage hinein. In diesem Zusammenhang lobt er ganz besonders die Kapitel über das Theater in Prag, über Film, Jazz und Literatur.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.11.2007

Alena Wagnerova ist von Peter Demetz' Versuch, in der Geschichte Prags zur Zeit der deutschen Besatzung und darüberhinaus, zwischen 1938 und 1948, auch die private Geschichte zu spiegeln, sehr beeindruckt. Gerade in der eigenartigen Diskrepanz zwischen den "mit Herzblut" geschilderten historischen Umstände und den sehr viel distanzierter dargestellten persönlichen Erlebnissen sieht die Rezensentin den besonderen Reiz dieser Prager Geschichte. Und wenn die Darstellung auch keine Vollständigkeit für sich beanspruchen kann, so stellt sie eine vielschichtige Sicht der Zeit dar, lobt Wagnerova. Die Rezensentin ist überzeugt, dass Demetz wegen seiner väterlicherseits ladinischen, mütterlicherseits tschechisch-jüdischen Wurzeln einen besonders differenzierten Blick auf das multikulturelle Prag gelingt, der ihn vor nationaler Engstirnigkeit bewahrt. Schade findet die Rezensentin lediglich, dass sich, wohl durch die Übersetzung aus dem Englischen, wie sie vermutet, Fehler in tschechischen Begriffen und Namen finden und sie bedauert zudem, dass Demetz seine Zeit an der Karls-Universität, die ihn mit vielen Reformkommunisten zusammenführte, nicht mehr in die Darstellung eingeschlossen hat.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.10.2007

Berührt und beeindruckt zeigt sich Ingeborg Harms von Peter Demetz' nun vorliegenden Erinnerungen an seine Jugend im Prag, für sie das bisher "persönlichste Buch" des Literaturwissenschaftlers. Sie hebt die beiden auch typografisch voneinander abgesetzten Stimmen in dem Buch hervor: die eine schildert die Jugend unter deutscher Besatzung, die andere vermittelt einen historischen Überblick sowie eine Analyse der entscheidenden Momente der politischen Entwicklung. Ausführlich geht sie auf die Familie des Autors, auf das Scheitern der Ehe seiner Eltern, seine Jugendzeit sowie die Besetzung seiner Heimatstadt, die Verfolgung von jüdischen Bürgern und das Schicksal seiner Familie ein. Die Art und Weise, wie Demetz dies alles berichtet, findet Harms überaus eindringlich, aber zugleich nüchtern und nie pathetisch.
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