Aus dem Tschechischen von Michael Stavaric. Patrik Ourednik beschreibt in seinem Buch "Das Jahr vierundzwanzig" die Jahre 1965 bis 1989 in der damaligen Tschechoslowakei als persönliche und unmissverständliche Erinnerung an ein Leben im realen Sozialismus. Das "Sich-Erinnern" wird dabei zum maßgeblichen Faktor des "Verstehens" einer ganzen Generation, deren Alltag von Frustration und Ohnmacht geprägt ist. Das totalitäre System und die daraus resultierenden Fatalitäten ersticken die Hoffnung auf ein eigenständiges Leben. Ourednik erinnert sich der Zeit des Prager Frühlings, der Normalisierungsära und der Sanften Revolution, an deren Ende die ersehnte Freiheit wartet. Er knüpft mit seiner Methodik an die literarischen Experimente zweier Autoren: Joe Brainard und Georges Perec.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 04.09.2004
Der Rezensent mit dem Kürzel "kmg" ist ziemlich enttäuscht von diesem frühen Werk von Patrik Ouredník, den er als "hochgelehrten, aberwitzigen Außenseiter der tschechischen Literatur" bezeichnet. Dessen letztes Buch "europeana", das unbekannte Alltagsgeschichte mit historischen Großereignissen zu einer Collage verarbeitet, hatte ihm ausnehmend gut gefallen. Doch das Verfahren, mit dem er da ein beeindruckendes Ergebnis erzielte, war bei dieser frühen Arbeit nach Meinung des Rezensenten überhaupt nicht ausgereift. "Das Konzept trägt nicht, und die serielle Verfertigung von Erinnerungssätzen gerät wenig aussagekräftig". Nach Meinung des Rezensenten fehlt es hier schlicht auch an Erfindungsreichtum.
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