Madeleine K. Albright

Winter in Prag

Erinnerungen an meine Kindheit im Krieg
Cover: Winter in Prag
Siedler Verlag, München 2013
ISBN 9783886809882
Gebunden, 544 Seiten, 24,99 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Norbert Juraschitz. Geboren als Tochter eines tschechischen Diplomaten, als Mitglied einer jüdischen Familie, die mehr als ein Dutzend Mitglieder im Holocaust verlor, wurde das Leben Madeleine Albrights schon früh von der Weltpolitik durcheinandergewirbelt. Das Münchener Abkommen des Jahres 1938 vertrieb die Familie aus ihrer Heimat, in England überstand sie den Zweiten Weltkrieg, nur um bei der Rückkehr in die Tschechoslowakei nach dem kommunistischen Staatsstreich und dem Beginn des Kalten Kriegs erneut fliehen zu müssen. Was bedeuteten diese weltpolitischen Ereignisse für Madeleine Albright und ihre Familie, mit welchen Ängsten und Hoffnungen erlebte sie als kleines Mädchen Madlenka diese Zeit? In ihrem neuen Buch erzählt Madeleine Albright große Geschichte und verwebt sie mit kleinen, sehr persönlichen Geschichten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.07.2013

In der Machart erinnert dieses Erinnerungsbuch Madeleine Albrights den Rezensenten Karl-Peter Schwarz an die Biografie der früheren amerikanischen Außenministerin. Das kommt wesentlich daher, so mutmaßt Schwarz, dass wiederum Bob Woodward der Co-Autor ist. Dessen unbefangen personennahe Schilderungen fesseln ihn zeitweise, so die Abschnitte über das Ghetto in Theresienstadt oder über die Luftangriffe auf Großbritannien, scheinen ihn aber auch mitunter zu ermüden, sodass er Kürzungen vorschlägt. Wenn Madeleine Albright für den Versuch, das Geheimnis ihrer Familie und ihrer jüdischen Herkunft im Kontext der tschechoslowakischen Geschichte zu ergründen, das Archiv ihres Vaters öffnet und sich aus dessen Nachlass bedient, scheint Schwarz das zu goutieren. Nicht einverstanden ist er mit Albrights optimistischer Sicht auf die Verhältnisse in Prag nach der Rückkehr von Edvard Benes.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.05.2013

Mehr als drinsteht liest Michael Frank in diesem autobiografischen Geschichtsbuch von Madeleine Albright. Ihm erscheint der Band als selbsttherapeutischer Akt der Autorin, die hier ihre moralische Urteilsfähigkeit (nicht immer frei von Verklärung) überprüft, und zugleich als historisches Dokument der Zeit zwischen 1937 (dem Geburtsjahr der Autorin) und 1948. Auch wenn die behandelten Themen (das Prag von Albrights Kindheit, Krieg und Besatzungsgeschichte) nicht immer schlüssig verwoben werden, erkennt Frank Zusammenhänge und die Unbarmherzigkeit des Jahrzehnts, auch weil die Autorin ihr blankes Entsetzen über die Ereignisse oft nicht verbergen kann, wie Frank erklärt. Auch aus der Diplomatie, so Frank, erfährt der Leser interessante Details.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 25.04.2013

Susanne Mayer zeigt sich ausnehmend eingenommen von Madeleine Albrights "Winter in Prag", nur der Untertitel "Erinnerungen an meine Kindheit im Krieg" erscheint ihr "ein wenig irreführend", geht es doch weniger um Kindheitserinnerungen, als um die Geschichte ihrer Familie im Allgemeinen und ihrer Eltern im Besonderen. Ihr Vater Dr. Josef Korbel, ein jüdischer Diplomat, floh mit Frau und Kind vor den Nazis aus Prag nach London, viele Angehörige kamen in Theresienstadt und Auschwitz ums Leben, fasst die Rezensentin zusammen. Vor ihrer Tochter hielten die Eltern ihre jüdische Herkunft und das Schicksal der Verwandten jedoch geheim, weshalb Albright Jahrzehnte später, nach ihrer Ernennung zur US-Außenministerien damit konfrontiert wurde, so Mayer. Ihr Buch ist nun eine späte Auseinandersetzung mit diesem "Familiengeheimnis", wobei der Autorin auch eine Rehabilitierung ihres Vaters am Herzen liegt, der für seine Konversion zum Katholizismus und die Verleugnung seiner jüdischen Wurzeln kritisiert worden ist, glaubt Mayer.
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