Peter Dausend, Horand Knaup

"Alleiner kannst du gar nicht sein"

Unsere Volksvertreter zwischen Macht, Sucht und Angst
Cover: "Alleiner kannst du gar nicht sein"
dtv, München 2020
ISBN 9783423282499
Gebunden, 464 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Im Wahlkreis sind sie die Könige, in Berlin oft nur wenig bekannte Hinterbänkler. Und dennoch bilden die 709 Abgeordneten des Bundestages das Rückgrat unserer Demokratie. Wer sind die 221 Frauen und 488 Männer? Wie arbeiten sie? Wie bilden sie sich ihre Meinungen? Wie bewältigen sie den Spagat zwischen dem Wahlkreis, wo meist die Familien wohnen, und Berlin, dem Ort der Einsamkeit und der Versuchungen? Wie erleben sie die zunehmende Aggression? Welchen gesundheitlichen Belastungen sehen sie sich ausgesetzt? Wie ertragen sie den alltäglichen Druck? Wie gehen die Politikerinnen mit der sexualisierten männlichen Dominanz um? Die Autoren begleiten das politische Geschehen seit Jahrzehnten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.01.2021

Rezensentin Helene Bubrowski hat kein Mitleid mit unseren Politikern nach der Lektüre des Buches von Peter Dausend und Horand Knaup. Aber ein bisschen besser einfühlen kann sie sich danach schon in den politischen Mikrokosmos, von dem die befragten Parlamentarier teils anonym berichten. Dass diese normalerweise verschlossene Welt geprägt ist von Ängsten und Einsamkeit, Konkurrenz, Stress, Hass, Alkohol erfährt Bubrowski, aber auch wie das Privatleben unter diesen Bedingungen leidet. Diese dunkle Seite der Macht zu zeigen und das Nachdenken über Reformen anzuregen, findet die Rezensentin verdienstvoll.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 20.10.2020

Martin Hubert ist schockiert über die Zustände, die Peter Dausend und Horand Knaup in ihrem Buch schildern. Das Leben der Abgeordneten scheint eine einzige Tortur zu sein: einzelkämpferisch, gefährdet und bedroht durch Stress und Druck, Schlafmangel und Hass in den sozialen Medien. Auch wenn manche Passage über archaische Machttechniken und Misogynie auf Hubert wie Klatsch wirkt, weil die Autoren keine Daten nennen und die Betroffenen kaum selbst zu Wort kommen lassen, findet der Rezensent das Buch lesenswert - als ungeschönter Bericht über die prekären Lebens- und Arbeitsverhältnisse unserer Politiker.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.09.2020

Sehr gut gefällt Rudolf Walther, dass die Autoren sich nicht am "Politiker-Bashing" beteiligen, sondern vielmehr von Arbeitsalltag und Realitäten der medial getriebenen Macht- und Abhängigkeitsspiele berichten. Sehr genau sind sie einigen ausgewählten Beispielen von Abgeordnetenlaufbahnen nachgegangen, die sich zwar stark unterscheiden, aber allesamt deutlich machen, dass man mit "Kompetenz" allein oder gar Authentizität im Bundestag keinen Blumentopf gewinnt. Offenbar zahlt sich Anpassung bis zur Selbstaufgabe eher aus. Zwar missfallen dem Kritiker die "küchenpsychologischen" Anwandlungen der Autoren, aber alles in allem beschreibt er das Buch als "politische Aufklärung". 

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