Paula Fürstenberg

Familie der geflügelten Tiger

Roman
Cover: Familie der geflügelten Tiger
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2016
ISBN 9783462048759
Gebunden, 240 Seiten, 18,99 EUR

Klappentext

Wie ist es, wenn man keine Erinnerungen hat an den eigenen Vater? Und keine an das Land namens DDR, in dem man geboren wurde? Wenn man auf das Gedächtnis anderer angewiesen ist, um die eigene Geschichte zu verstehen? Schon als Kind hatte Johanna eine Vorliebe für Landkarten, die die Welt überschaubar machten und zugleich die Fantasie anregten. Nach dem Abitur ist sie aus der Uckermark nach Berlin gezogen, wo sie zum Ärger ihrer Mutter eine Ausbildung zur Straßenbahnfahrerin macht, anstatt zu studieren. Mit Reiner, ihrem Ausbilder, bewegt sie sich durch das wohlgeordnete Liniennetz der Großstadt und lacht über alte DDR-Witze, ohne sie zu verstehen. Mit Karl, dem elternlosen Weltenbummler, beginnt sie eine Affäre. Ihr Vater Jens hat die Familie kurz vor dem Mauerfall verlassen, da war Johanna zwei. Außer einer Postkarte an der Wand erinnert nichts an ihn. Doch dann ruft Jens an, und Johannas Lebenskonstrukt gerät ins Wanken. Plötzlich gibt es zahlreiche widersprüchliche Versionen seines Verschwindens. Ist er geflohen? Wurde er verhaftet? Hatte Johannas Mutter etwas damit zu tun oder gar Honeckers Krankengymnastin?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.08.2016

Schon wieder einer dieser DDR-Entwicklungsromane will Martin Lhotzky gerade stöhnen, da entdeckt der Kritiker wie hintergründig, humorvoll und überraschend Paula Fürstenbergs Debütroman ist. Hier wird viel mehr erzählt als die Geschichte einer jungen Frau, die, aufgewachsen in der DDR bei einer alleinerziehenden Veterinärmedizinerin mit besonderem Hang zu "Igelwaisen und Amselküken",  plötzlich ihren an Krebs sterbenden Vater kennenlernt, von dem sie bis dato nur wusste, er habe "rübergemacht". Der Rezensent liest vor allem mit viel Sympathie die in kurzen herrlich lakonischen "Protokollen" gehaltene Geschichte der Ich-Erzählerin und Tramwayfahrerin Johanna, die sich mit kleineren Obsessionen und größeren Alltagsstörungen entwickelt und ihrer Vergangenheit stellt. Nicht zuletzt dank der wunderbaren Erinnerungen an die untergegangene DDR-Welt kann der Kritiker dieses "uneitle" Buch empfehlen.