Paula Fox

Lauras Schweigen

Roman
C. H. Beck Verlag, München 2002
ISBN 9783406487033
Gebunden, 234 Seiten, 18,50 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen übersetzt von Susanne Röckel. Am Vorabend ihrer Reise nach Afrika warten Laura Maldonada Clapper und ihr zweiter Mann Desmond in einem New Yorker Hotelzimmer auf die Ankunft der Gäste für ein kleines, familiäres Abendessen: Lauras Bruder Carlos, Clara, ihre schüchterne Tochter aus erster Ehe, und Peter, ein melancholischer Lektor, der Laura schon lange verehrt. Aber was zunächst wie ein freundlicher Abschiedsabend beginnt, entwickelt sich zunehmend zu einem beklemmenden Schlagabtausch. Laura Clapper steuert das Spiel der Andeutungen und Verletzungen mit grausamer Herrschergeste, denn sie verschweigt, was sie schon seit Stunden weiß: daß ihre Mutter, die dunkle Mitte der Familie, am Morgen an einem Herzanfall gestorben ist.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.08.2002

Den deutschen Titel hält Martin Krumbholz für geschwätzig, weil er das Schweigen, ein wichtiges Moment des Buches, benennt. Das Buch selbst aber, so Krumbholz, sei mitnichten ein Konversationsroman. Von einer mittleren Temperatur kann nach einem genaueren Blick auf das erzählerische Fieberthermometer kaum die Rede sein. "Im Binnenraum ihres üppig wuchernden Dialogromans entfaltet Fox ein Mutter-Tochter-Drama von ätzender Schärfe, geschrieben im Geist des Virginia Woolf-Stücks von Edward Albee." Befördert wird diese Schärfe, die Krumbholz übrigens für ziemlich brillant hält, noch durch den auktorialen Stil, eine Alleswisserin als Erzählerfigur, "die nicht nur geschliffene Dialoge repetiert, sondern in die Gehirnwindungen ihrer Personage hineinkriecht und das Intimste ans Partylicht zieht. Nicht formale Strenge zeichnet den Roman aus, sondern die unersättliche Lust an der Decouvrierung."

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 14.08.2002

Ziemlich angetan ist Gerrit Bartels von diesem Roman der Amerikanerin Paula Fox, auch wenn er die Erzähltechnik und Dramaturgie etwas undurchsichtig und irritierend findet. Man weiß seiner Meinung nach lange Zeit nicht, worum es im Kern der Handlung eigentlich geht. Psychologisch interessant ist der Roman voller "komplexer Charaktere..., unsicherer, labiler und rätselhafter Menschen" aber auf jeden Fall, und der Rezensent verortet den Reiz der Erzählung auch in dem, was offen bleibt, in den "Leerstellen in der Geografie ihrer Psychen". Dadurch entsteht seiner Meinung nach ein wohltuender Abstand zu "Psychokitsch und Selbsterfahrungsliteratur". Außerdem findet Bartels Gefallen an dem Erzählstil der Autorin, deren Wechsel zwischen inneren und äußeren Dialogen er sehr gekonnt und "elegant" findet. Sein einziger Kritikpunkt: manchmal findet Bartels die "Kammerspielatmosphäre? eine Idee zu hermetisch".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.04.2002

Rezensentin Angela Schader zeigt sich tief beeindruckt von Paula Fox' 1976 erschienen, nun in einer deutschen Übersetzung vorliegenden Roman "Lauras Schweigen". Deutlicher als in den bisher auf deutsch erschienen Romanen der Autorin sind nach Ansicht der Rezensentin hier Elemente von Fox traumatischer Kindheit eingeflossen. So findet die Rezensentin in "Lauras Schweigen" geradezu eine "eine direkte Konfrontation mit der dämonischen Muttergestalt" inszeniert. Eine Inszenierung, die, wie sie bemerkt, ohne "Krachen und Theaterdonner" auskommt, sondern sich in "erstickender, quälender Langsamkeit" vollzieht. Schader hebt hervor, dass einzig der Leser das volle Ausmaß des "Hohlraums" unter der Oberfläche der Akteure, die bei Laura zu einem Abschiedsabendessen zusammenkommen, kennt. Die "grausame Schlüssigkeit" von Claras Überlegungen über ihr kaputtes Verhältnis zu ihrer Mutter Laura, führt die Rezensentin auf die Biografie der Autorin zurück.
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