Walter Kirn

Blut will reden

Eine wahre Geschichte von Mord und Maskerade
Cover: Blut will reden
C. H. Beck Verlag, München 2014
ISBN 9783406667688
Gebunden, 288 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Im Sommer 1998 begibt sich Walter Kirn, ein vielversprechender junger Romanautor, auf eine ungewöhnliche Reise: Er bringt einen behinderten Jagdhund von Montana nach Manhattan in das Apartment von Clark Rockefeller, einem Finanzinvestor und Kunstsammler, der den Hund via Internet adoptiert hat. So beginnt eine fünfzehn Jahre währende Beziehung, die Kirn immer tiefer in die bizarre Welt eines absonderlichen Multimillionärs hineinzieht, der sich am Ende als Hochstapler, Kidnapper und eiskalter Mörder erweist. Denn Clark Rockefeller ist in Wahrheit weder ein Rockefeller noch ein Freund. Er ist Christian Gerhartsreiter, ein Psychopath, der seine ganze Umgebung, seine eigene Ehefrau und auch sich selbst in einem Netz aus Lügen gefangen hält. Während Kirn eine zweite Reise antritt in die Abgründe der menschlichen Seele, entdeckt er nicht nur einen Mann, den er kaum kannte einen echten Mr. Ripley und Zombie-Gatsby, der sich mit Mord und Maskerade seine eigene Realität erschaffen hat. Er entdeckt auch, wer auf der Liste seiner zukünftigen Opfer weit oben stand: Er selbst.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 12.07.2014

Verrückte Story, meint Peter Praschl angesichts von Walter Kirns Versuch, einem Betrug aufzuarbeiten, dem er über 10 Jahre hinweg aufgesessen ist. Der Schriftsteller glaubte, einen Rockefeller als Freund zu haben. Stattdessen handelte es sich um einen Hochstapler und Mörder. Wie Kirn den Gang der Selbstanalyse und Selbsterkenntnis darstellt, fasziniert Praschl sichtbar. Zumal es dem Autor laut Rezensent gelingt, die Manöver des Verführens für den Leser nachvollziehbar zu machen und gar eine dämonische Seelnverwandtschaft zwischen sich und dem Mörder und Betrüger anzudeuten. Verwirrt hat Praschl der Umstand, dass er als Leser am Ende nicht mehr weiß, wer hier gewinnt: der Verführte mit seiner Aufarbeitung oder der Verführer, der nun eine tolle Story bekommen hat.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 10.07.2014

Die Geschichte, die Walter Kirn in "Blut will reden" aufgeschrieben hat, ist zwar wahr,  sie liest sich aber wie ein großartiger Kriminalroman, findet Ronald Düker. Kirn erzählt darin von seiner Zeit mit Christian Gerhartsreiter, alias Clark Rockefeller, alias Chris C. Crowe, alias C. Crowe Mountbatten, der sich in den USA über Jahre hinweg mal als Spezialist für tiermedizinische Akupunktur, mal als schwerreicher Kunstsammler oder Filmstudent ausgab und in dieser Zeit mindestens zwei Menschen umbrachte, fasst der Rezensent zusammen. Kirn hatte sich von der Prahlerei einlullen lassen und die offenkundigen Unstimmigkeiten aus persönlicher Zuneigung ausgeblendet, erklärt Düker. In gewissem Sinne verkörpert Gerhartsreiter die Kehrseite des amerikanischen Traums von der ständigen Selbsterfindung, so der Rezensent.