Ein persönlicher Bericht: über die Komplexe und Ängste der Österreicher, das Zerrbild und die Mythen der Zweiten Republik, den Aufstieg und Fall ihrer prägenden Persönlichkeiten, das Erlebte im "guten Österreich" und die einzigartige Erfolgsbilanz eines halben Jahrhunderts. Im Spiegel der Begegnungen mit herausragenden Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Medien (u.a. mit Josef Klaus, Bruno Kreisky, Kurt Waldheim, Rudolf Kirchschläger und Thomas Klestil) entsteht ein unverwechselbares Bild des neuen Österreichs, geschildert von einem einstigen Ungarn-Flüchtling, der den Kampf gegen österreichfeindliche Klischees - gerade in Krisenzeiten - stets als eine Art Verpflichtung angesehen hat. Persönliche Gespräche mit bekannten Persönlichkeiten (von Androsch bis Vranitzky, von Busek bis Schüssel, von Haider bis Gusenbauer) über brisante Details der Wendezeiten ergänzen die persönlichen Erlebnisse eines trotz Dankbarkeit für das ihm gewährte Heimatrecht stets kritisch und wachsam gebliebenen Publizisten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.11.2007
Sehr positiv hat Rezensent Günther Nonnenmacher dieses Porträt Österreichs aufgenommen, das Paul Lendvai vorgelegt hat. Er attestiert dem Autor, der 1957 aus Ungarn ins Nachbarland Österreich geflohen war und dort als Journalist bei diversen Zeitungen, beim Rundfunk und beim Fernsehen Karriere machte, einen wohlwollenden und differenzierten Blick auf die Geschichte seiner Wahlheimat. Fairness und Verständnis zeichnet nach Ansicht Nonnenmachers auch Lendvais Betrachtung der schwierigen Kapitel dieser Geschichte aus. Erhellend scheint ihm die Ausrichtung der Darstellung an den Bundeskanzlern des Landes, allen voran an Bruno Kreisky. Auch wenn das Buch kein Werk der Wissenschaft ist, kann Nonnenmacher die Lektüre empfehlen, sieht er darin doch eine "objektive, zuverlässige, vor allem aber anschauliche und gut lesbare Geschichte" Österreichs.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 19.10.2007
Als interessante Lektüre für Österreich-Kenner empfiehlt Rezensent Lukas Mäder die Erinnerungen des Journalisten Paul Lendvai. Der aus einer jüdischen Familie stammende Lendvai emigrierte nach dem Ungarnaufstand nach Österreich und arbeitete dort u.a. für die "Financial Times", die NZZ und den ORF. Sein "Kommentar zur Geschichte", wie Mäder dieses Buch nennt, kreist um Österreichs Verhältnis zu Nationalsozialismus und Antisemitismus und beginnt mit den dreißiger Jahren und dem "Anschluss" Österreichs sowie der Entstehung des "Opfermythos" in den fünfziger Jahren. Spannend findet Lukas Mäder vor allem die Schilderungen der Zeit nach 1957, als der Autor auch selbst in Österreich lebte. Da geht es etwa um die Enthüllungen der NS-Vergangenheit ranghoher Persönlichkeiten in den siebziger und achtziger Jahren oder die neuen antisemitischen Tendenzen, die im Erfolg von Jörg Haiders FPÖ ihren Ausdruck fanden. Der Rezensent lobt, dass Paul Lendvai die kritische Distanz nicht verliert, obwohl er viele der politischen Akteure persönlich kannte. So schildere er beispielsweise, wie er Judentum und Österreichs NS-Vergangenheit mit seinem Freund Bruno Kreisky kontrovers diskutierte. Kenntnisse der österreichischen Geschichte setzt das Buch allerdings voraus, bemerkt der Rezensent.
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