Paul Feyerabend

Die Vernichtung der Vielfalt

Ein Bericht
Passagen-Verlag, Wien 2005
ISBN 9783851656336
Gebunden, 392 Seiten, 48,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Peter Engelmann. Aus dem Englischen von Volker Böhnig und Rainer Noske. Von den Epen Homers bis zur modernen Astronomie, von der Liebe über die bildende Kunst bis zur Quantentheorie zeichnet Paul K. Feyerabend ein Bild von der Vielfalt uns umgebender kultureller Praktiken und Zugangsweisen zur Welt. Deshalb ist es widersinnig anzunehmen, ein emotional wie intellektuell erfülltes Leben bestünde gerade darin, diesen Reichtum zu reduzieren. Doch genau dieses Vorgehen - von den Wissenschaften, der Kunst und von vielen anderen vorangetrieben - erzeugt die leeren Stereotypen und einschränkenden Abstraktionen, die seit langem unsere Auffassung über die Realität bestimmen. Diese der menschlichen Lebensqualität abträgliche Neigung ist Kern des Berichts über "Die Vernichtung der Vielfalt", an dem Feyerabend bis zu seinem Tod im Jahre 1994 arbeitete.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.02.2006

Zuletzt, so Maximilian Probst, ist Paul Feyerabends nachgelassenes Werk gegen "Die Vernichtung der Vielfalt" ein spätes Produkt der Wiener "Kaffeehaus-Tradition". Mag manche Position, die das "Enfant terrible der Wissenschaftstheorie" bezieht, auch schon veraltet und originell nicht mehr sein, vielleicht sogar noch über die Dekonstruktion hinaus bis zu Nietzsche zurückgehen - was das Werk dennoch auszeichnet und dessen ganz eigenen Charme ausmacht, das ist zum einen Feyerabends Meisterschaft der "Weitwinkelphilosophie": "Keiner kommt so schnell wie er von Parmenides über Shakespeare zum Energieerhaltungssatz und wieder zurück", wie der Rezensent lobt. Die andere Stärke des Textes ist Feyerabends "großes Gespür fürs Dramatische", und die erklärt Probst eben mit des Philosophen Wiener Blut, mit seinen Anfängen in der "Bühnenstadt par excellence". Was dem Autor am Herzen liegt, ist, der Verödung, auf die Philosophie seines Erachtens immer zusteuert, entgegenzuwirken und "Poesie, Fülle und Flexibilität" des Denkens zu bewahren. Die Welten der Vorstellungskraft, so Feyerabend, verarmten seit Homer zusehends, und dass mancher Verzicht aufs Konkrete zugunsten der Abstraktion keineswegs zwingend war, dass sich allerorten eine Vielfalt von Alternativen auftut, das will der Philosophiekritiker seinen Lesern zeigen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.11.2005

Michael Hagner weist Paul Feyerabends "Die Vernichtung der Vielfalt" in seiner Rezension eine Vielfalt von Selbstwidersprüchen und logischen Aporien nach. Eine Sammlung von "unfertigen Kapitelfragmenten", gemischt mit bereits veröffentlichten Aufsätzen, liegt hier vor nach Meinung des Rezensenten, ja, sogar das Wort "unausgegoren" zieht er zur Klassifikation heran, und den Teilen, die fertig und abgeschlossen sind an diesem Buch, attestiert er "ermüdende Redundanz". Allerdings nimmt Hagner den Autor auch gegen sich selbst in Schutz, gewissermaßen, oder besser: er nimmt ihn gegen seine Herausgeber in Schutz. Denn es handelt sich bei dieser Publikation um eine posthume. Feyerabend hat sie nicht zu verantworten. Und an ihrer Zweckmäßigkeit zweifelt Hagner doch sehr. Von einem Feyerabend'schen "Testament wichtiger Einsichten seines Denkens" jedenfalls, von dem der Verlag fabelt, meint er, "kann keine Rede sein".