Pablo Tusset

Das Beste, was einem Croissant passieren kann

Roman
Cover: Das Beste, was einem Croissant passieren kann
Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 2003
ISBN 9783627001025
Gebunden, 384 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Susanna Mende. Pablo Jos Miralles, genannt Balu, ist hauptberuflich Sohn betuchter Eltern aus bester katalanischer Hochbourgeoisie, fett, faul, politisch unkorrekt. Als allerdings sein älterer, in jeder Beziehung erfolgreicher Bruder eines Tages spurlos verschwindet, macht sich Pablo auf die Suche nach ihm. Der sonst so träge Kerl gerät bei seinen Nachforschungen auf eine immer wahnwitziger werdende Reise durch die Straßenschluchten Barcelonas. Eine absurde, groteske, humorvolle Geschichte voller abgefahrener Erlebnisse.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.07.2003

Barcelonesische Autoren hätten oft einen Hang zu "überdrehten Krimigeschichten", insofern reiht sich Pablo Tussets Erstling hier problemlos ein, meint Albrecht Buschmann. Er findet es unmöglich, die Handlung dieses "streckenweise brüllkomisch-kindischen Krimis" nachzuerzählen. Das ist aber auch nicht nötig, denn das Wichtigste in diesem Buch ist die Hauptfigur Pablo Miralles, ein dicker, versoffener "Schnorrer und Hurenbock", aber auch als "Computerfreak, Hobbyphilosoph und Whiskykenner" mit prägnanter Sprache "ein Mann mit Möglichkeiten", meint Buschmann. Die "schnelle und treffsichere" Sprache verleihe der Figur des Pablo Kontur, wobei der Rezensent auch der Übersetzerin für ihre treffsichere Übersetzung der Wortspiele ein dickes Lob ausspricht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.05.2003

Jede Menge verzehrbarer Dinge fallen Oliver Jungen zu Pablo Tussets Roman ein, nachdem er das Buch selber mit offensichtlich großer Lust verschlungen hat und sich anschließend fragte, womit er sich da eigentlich den Magen vollgeschlagen hat. Nämlich mit gebuttertem Blätterteig - siehe Buchtitel -, einem beschwippst machenden Cocktail aus "Wilhelm Meister", "Matrix" und "Southpark" - und einer Gurke: Denn genau wie diese, schreibt Jungen, "zum größten Teil aus Wasser besteht, geschieht im Roman meistenteils nichts - das aber mit einer sympathischen Lakonik". Dass so wenig passiere, liege an dem fetten und faulen Ich-Erzähler, der seine Pflichten - die Erfüllung der Lesererwartungen - vernachlässige und lieber wohlfeile Nichtigkeiten auswälze. "Rhetorisch gesehen", meint Jungen, "ist das Buch eine einzige Amplifikation, eine improvisierte Ausweitung der Rede durch Digressionen und blühende Arabesken, in denen der Alltag aufgeht wie ein Hefeteig". Und gattungstheoretisch gesehen? Nicht einzuordnen, findet Jungen. Obwohl: Tussets Buch sei am Ende wohl doch einer dieser großen spanischen Schelmenromane, nur dass der Narr hier kein politisch Subversiver ist, sondern ein phlegmatischer Hedonist. Und dass es so gut gemundet hat, liege auch an der hervorragenden Übersetzung.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 04.04.2003

Rezensent Sven Hanuschek hat sich Pablo Tussets Erstling "Das Beste was einem Croissant passieren kann" bestens amüsiert, auch wenn ihn das Buch nicht uneingeschränkt überzeugt hat. Das liegt vor allem daran, dass der Roman um einen hedonistischen philosophierenden Mittdreißiger, dessen behagliches Leben mit der Entführung seines Bruders ein jähes Ende nimmt, gegen Ende schwächer wird. Hier trägt Tusset für Hanuscheks Geschmack einfach zu dick auf: aus dem Krimi wird ein Geheimbundroman mit Fantasy-Elementen angereichert mit jeder Menge von Träumen des Protagonisten. Das findet Hanuschek etwas bedauerlich, bis dorthin nämlich habe Tusset ein erheiterndes Buch geschrieben, "in dem die Tempi stimmen, das grotesken Humor und rasante Dialoge hat und das versucht, den Hedonismus aus der pubertären Ecke zu holen". Und das sei, resümiert der Rezensent, "selten und erfreulich genug".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.03.2003

Die Rezension von Jutta Person verrät bedauerlicherweise nicht, was das Beste ist, was einem Croissant passieren kann. In die Hände einer wohlwollenden Literaturkritikerin zu geraten, die sich diesen kriminalistischen Leckerbissen nicht entgehen lässt? Selten gelingt es einem Debütroman, derben Humor mit philosophischem Hintersinn und stilistischer Eleganz zu verbinden, jubelt Person. Tusset hat das gewisse Extra, lange führte er in Spanien die Beststellerlisten an, berichtet die Rezensentin. Worin das Geheimnis dieses gewissen Extras besteht, erläutert Person am Ende ihrer Besprechung. Sie möchte die desillusionierten Enddreißiger und Mitvierziger typologisch in zwei Sparten unterteilen: solche, die zynisch geworden sind (wie Houellebecq), oder solche, die wie Tusset "den Elementarteilchen des Lebens nicht mit Wut, sondern mit gehässiger Beschwingtheit" und einer gehörigen Portion innerer Gelassenheit begegnen. Die bringt offenbar auch Tussets Protagonist Pablo Miralles auf, der, Gourmet und Philosoph zugleich, ganz eigenwillig und sprunghaft finanzielle Machenschaften der Barceloner Gesellschaft recherchiere. Tussets Stärke erweist sich im übrigen mehr in den überspitzten Dialogen als in der klassischen Handlungsführung, meint Person und fühlt sich in den besten Momenten an den Dude aus "The Big Lebowski" erinnert.
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