Isaac Rosa

Das Leben in Rot

Roman
Cover: Das Leben in Rot
Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 2008
ISBN 9783627001520
Gebunden, 347 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Ralph Amann. Der Universitätsprofessor Julio Denis und der Student Andres Sanchez geraten ins Visier des spanischen Geheimdienstes, sie werden verhaftet und verschwinden spurlos. Weder bei der Polizei noch bei anderen offiziellen Stellen finden sich Unterlagen, die Auskunft geben über das Schicksal der beiden. Was aber ist wirklich geschehen? Immer widersprüchlichere Tatsachen über den seltsamen Professor Denis kommen ans Licht: ein an sich unbescholtener Professor, der an der Madrider Universität spanische Barocklyrik lehrt und sich allem Anschein nach nicht um Politisches kümmert. Doch ist er wirklich ein so weltfremder Mensch, wie er es nach Außen hin glaubhaft zu machen versucht?

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.08.2009

Albrecht Buschmann ist begeistert. Isaac Rosas Roman gehört für ihn zum Besten, was derzeit aus Spanien zu lesen ist. Für Buschmann liegt das daran, dass der Autor nicht, wie so viele andere, in die "Franco-Mottenkiste" greift oder sich einfach von seinem Thriller-Stoff forttragen lässt. Stattdessen sieht sich Buschmann in seinen Erwartungen beständig ausgebremst. Keine Dramatik, keine Tuchfühlung mit Spaniens Geschichte der 50er und 60er. Lieber reflektiert der Autor über die Möglichkeiten des Erzählens, unterbricht die um die antifranquistische Studentenproteste kreisende Handlung "oder beschimpft den Leser"(!). Ein Wunder, dass Buschmann das aushält. Belohnt wird er mit einem "kraftvollen" und "intelligenten" Text, der schließlich die Balance findet zwischen Erzählen und Erzählkritik.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.11.2008

Paul Ingendaay kann's nicht fassen. Was Isaac Rosas "Radiografie des Franco-Regimes" nach einem schnarchlangweiligen Anfang mit Erzählernabelschau und anderen theoretischen Sperenzien zu bieten hat, hält er für das beste zum Thema seit Chirbes' "Der lange Marsch". Immer tiefer folgt er dem Autor bei seiner "bohrenden fiktionalen Untersuchung" und stößt dabei nicht nur auf literarische Intelligenz vom Feinsten. Die vielen, "oft anonymen" Stimmen und Entwürfe, mittels deren Rosa erzählt, geben laut Ingendaay auch ein adäquates Bild von den Verhältnissen und dem Wert des Individuums zu Zeiten der Repression sowie von den nachwirkenden Deformierungen. Dem Leser empfiehlt Ingendaay Durchhaltevermögen fürderhin nur noch bezüglich der langen Folterszenen. Ein "spannendes" Buch über den franquistischen Folterstaat, das dem Rezensenten als Beweis gilt, dass meisterhaftes Erzählen historischer Ereignisse nicht unbedingt die Zeitgenossenschaft des Autors verlangt, sehr wohl aber künstlerisches Reflexionsvermögen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.10.2008

Johannes Schneider beschreibt anfänglich etwas flapsig, wie er sich einiger Hürden zum Trotz (unbekannter spanischer Autor, "blöder Titel") von der raffiniert angelegten Geschichte, die auch Aufarbeitung ist, über die Studentenunruhen im franquistischen Spanien der späten Sechziger in ihren Bann hat ziehen lassen. Zunächst entwickelt der 1975 geborene Verfasser nämlich eine authentische Nähe zu seinem Gegenstand, indem er seinen Status als Erzähler und Autor zur Sprache bringt und das Verfahren des Romans offen legt: Sich aus vorgeblich historischen Namensregistern und Fußnoten seine Hauptfiguren zu erschaffen und diesen dann zu einer Entwicklung zu verhelfen, die sich aus Interviews, Zeitzeugenberichten und Literatur speist. Wird dem "Erzähler-Autor" das Treiben einer Figur zu bunt, bricht er ab und setzt mit einem neuen Versatzstück an. Eigentlich toll, findet der Rezensent, auch wenn es der Autor mit seinem dekonstruktivistischen Ansatz übertreibt und manchmal ins Manieristische abzugleiten droht.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.10.2008

Ijoma Mangold verteidigt Isaac Rosas Buch "Das Leben in Rosa" vor dem möglichen Vorwurf, reine "postmodernen" Spielerei zu sein und lässt an seiner Hochschätzung für diesen Roman über die Franco-Diktatur nicht den leisesten Zweifel. Der 1974 geborene spanische Autor verwendet die "Parodie von Erzählformen" und die "Dekonstruktion des Romans" selbst, um die Geschichte eines Studenten und eines Literaturprofessors während der Franco-Zeit nicht einfach zu erzählen sondern mit allen ihren erzählerischen Möglichkeiten vorzuführen, so der Rezensent. Seine handwerkliche Meisterschaft beweise der Autor, indem er jeder dieser Möglichkeiten ihre eigene Erzählform gebe, verschiedenste Genres und deren Parodien gleich inklusive. Und da jede Erzählform ihr eigenes moralisches Urteil zulässt, zeigt sich gerade hier die "moralische Dimension" des Romans im Moment der Unsicherheit, so Mangold ehrfürchtig. Die "Radikalität", mit der der Autor die Mechanik des Romans offensichtlich mache, zeugt nicht nur von großem Können, wie der Rezensent rühmt, sondern macht diesen Roman zum Hochgenuss.
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