Lucia Etxebarria

Von allem Sichtbaren und Unsichtbaren

Ein Roman über die Liebe und andere Lügenmärchen
Cover: Von allem Sichtbaren und Unsichtbaren
Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 2003
ISBN 9783627001087
Gebunden, 479 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Catalina Rojas Hauser. Ruth ist bildschön, hat feuerrote Haare und grüne Smaragdaugen. Ein Jahr ist es her, dass die erfolgreiche Regisseurin Juan kennen gelernt hat, den, wie sie meint, schönen dunklen Dichter, in Wahrheit ein eitler Provinzler, der mit attraktiven und erfolgreichen Frau nur ins Bett und auf Szenepartys will. Eine fatale Liebesgeschichte beginnt, die zum bürgerlichen Drama wird und die aufgeschlossene und weltgewandte Ruth zu zerstören droht. Bis Ruth begreift, dass sie sich immer nur an falsche Vorstellungen wie an einen Rettungsanker geklammert hat, der sie in die Tiefe zieht.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.09.2004

"Problemzonenbeschau", die "nach Frauenzeitschrift klingt", "Selbstumkreisung" nach dem "Strickmuster" eines "Ratgebertonfall" - Rezensentin Jutta Person mochte den Roman von Lucia Etxebarria offensichtlich nicht. Erzählt wird die Geschichte der erfolgreichen, aber dank liebloser Kindheit schwer depressiven Jung-Regisseurin Ruth, die gerade ihren zweiten Selbstmordversuch hinter sich hat und sich nun ins Madrider Szene-Nachtleben stürzt, wobei sie mit einem "Schmalspurintellektuellen" eine erniedrigende Liebesbeziehung eingeht. Für Rezensentin Person schreit die Handlung arg "nach Klischee". Besonders hat sie die permanente Psychologisierung genervt, beispielsweise "wird das Liebesdrama auf Ruths mutterlose Kindheit appliziert wie die Moral aufs Stickkissen". Nahezu jedes Detail werde "tiefenpsychologisch" ausgebeutet: "Ruth sammelt Margeriten, weil ihre Mutter Margaret heißt". Auch wenn Etxebarria stellenweise "durchaus pointenreich formulieren" kann, findet sie bei Rezensentin Person keine Gnade: Der Roman komme schlichtweg "zu spät", "die literarische Partywelle ist überall schon abgeebbt".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.06.2004

Auch in dem neuesten Roman der spanischen Autorin Lucia Etxebarrias ist Kersten Knipp auf eine Heldin gestoßen, in deren Leben der kleine seelische Knacks zum großen Drama wird, weil sie "sonst nichts zu tun" hat. Übellaunig und missmutig ist sie, die Regisseurin Ruth, die schwer an dem nie verhandelten frühen Tod der Mutter trägt. Doch so verheißungsvoll der Roman für den Rezensenten begonnen hat - nämlich mit Ruths fehlgeschlagenem Selbstmordversuch - so schnell hat sich bei Knipp eine gewisse Enttäuschung eingestellt. Der "wunderbar poetische" Anfang, an den Etxebarria den fragilen Zustand zwischen Bewusstlosigkeit und Erwachen" stellt, schlage bald in ein "tristes Potpourri aus psychologischen Allgemeinplätzen" um: Frauengruppen, Lacan'sche Theorie und Selbsterfahrung durchläuft die gebeutelte Ruth allesamt vergeblich, und bei Protagonistin und Rezensent stellt sich die Überzeugung ein, dass manche Neurosen auch einfach zu schön sind, "als dass man sie ernsthaft loswerden wollte".
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