Mit 85 schwarz-weiß Abbildungen. Herausgegeben von Pablo Schneider und Philipp Zitzlsperger. Das Tagebuch des Paul Freart de Chantelou von 1665 ist eine einmalige Quelle der Frühen Neuzeit. Der Beauftragte der Krone, Höfling und Kunstkenner Chantelou begleitete den weltberühmten römischen Bildhauer und Architekten, Gianlorenzo Bernini, durch Paris und zu den Schlössern des Umlandes, als dieser für ein halbes Jahr am Hofe des Sonnenkönigs weilte. Erstmals seit 85 Jahren liegt das Tagebuch nun in deutscher Neuübersetzung vor, die von Beiträgen zum Stand der aktuellen Forschung begleitet werden.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.02.2007
Manfred Schwarz begrüßt diese Ausgabe von Paul Freart de Chantelous Tagebuch über Gian Lorenzo Berninis Frankreichreise. Er würdigt das von Pablo Schneider und Philipp Zitzelsperger herausgegebene, erstmals auf Deutsch vorliegende Werk als "kostbare, singuläre Quelle" zu Berninis Aufenthalt am Hof des Sonnenkönigs. Lobend äußert er sich über die "präzise" Übersetzung, die aufschlussreichen Anmerkungen und die beigegebenen kunsthistorischen Essays, die Umstände, Hintergründe und Folgen von Berninis an Missklängen reichen Reise beleuchten. Chantelou, der den berühmten Bildhauer täglich begleitete und alle Vorfälle und Gespräche notierte, bescheinigt er, einen "dichten, weitgehend schnörkellosen Bericht" der Ereignisse verfasst zu haben. Gelegentlich hätte er sich allerdings ein wenig mehr Indiskretion und Lebhaftigkeit gewünscht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.11.2006
Besser als an den Aufzeichnungen Paul Freart de Chantelous über Berninis Aufenthalt in Paris, scheint die Rezensentin uns mitteilen zu wollen, lässt sich eine kulturelle Mesalliance gar nicht studieren. Der "einzigartige Quellenwert" des von Pablo Schneider und Philipp Zitzlsperger herausgegebenen Bandes besteht für Christine Tauber vor allem in der Illustration der Diskrepanz zwischen französischen und italienischen "ästhetischen und kunsttheoretischen Vorstellungen", zwischen Berninis Geniekult und Ludwigs Imagebildung. Zum Vergnügen der Rezensentin tragen ferner bei: Eine "erstklassige" Übersetzung, die "wunderbare" Lesbarkeit des Textes sowie die beigefügten kennerhaften Aufsätzen zum politischen, biografischen und kunsttheoretischen Kontext. Letzterer überblendet sogar den Wermutstropfen eines laut Tauber "mageren" Textkommentars.
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