Omar Robert Hamilton

Stadt der Rebellion

Roman
Cover: Stadt der Rebellion
Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2018
ISBN 9783803132949
Gebunden, 304 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Brigitte Walitzek. Kairo, 2011. Alles scheint möglich. Die ganze Welt schaut hin, als die ägyptischen Aufständischen nicht müde werden, lautstark gegen die Diktatur zu protestieren, trotz aller Gewalt von Polizei und Militär. Mittendrin: Mariam und Khalid. Sie lernen sich im Getümmel einer Demonstration kennen, und fortan wird sie die Angst, dass dem anderen etwas zustoßen könnte, nicht mehr verlassen. Mutig kämpfen die beiden gemeinsam in einer Aktivistengruppe und versenden rund um die Uhr Nachrichten in alle Welt. Und nicht zuletzt kämpfen sie um ihre Liebe, für die keine Zeit bleibt in dem unaufhörlichen Strom von Aufgaben, die die Revolution ihnen aufbürdet, getrieben vom Gefühl der Verantwortung gegenüber ihren ermordeten oder inhaftierten Mitstreitern. Erbittert diskutieren sie darüber, welche Kompromisse sie eingehen müssen, zerrieben zwischen Hoffen und Verzweifeln. Dieser Roman zeigt die ägyptische Rebellion aus unmittelbarer Nähe, rasant folgt er den Revolutionären durch Kairos Straßen und über Twitter. Und auch wenn die Lage immer aussichtsloser erscheinen mag: Sie werden nicht aufgeben.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.06.2018

Obwohl es im Romandebüt des Filmemachers Omar Robert Hamilton auch um die Liebesgeschichte zwischen zwei Straßenkämpfern geht, hat Rezensent Michael Thumann "Stadt der Rebellion" hauptsächlich als Reportage über den ägyptischen Aufstand gelesen. Der Autor, selbst Brite ägyptischer Herkunft, lasse Khalil, halb Amerikaner halb Ägypter, die Revolution als "Abnutzungskrieg" schildern, wobei die unzähligen Kampfszenen auch Thumann ein wenig ermüdet haben. Dennoch scheint der Roman ihm wertvolle Hintergründe zum Fortgang der Ereignisse in Kairo nach dem Sturz Mubaraks geboten zu haben. Darüber hinaus setze der Schluss dem desillusionierenden Ausgang des Aufstandes ein ergreifendes Denkmal, schließt der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.02.2018

Rezensent Andreas Platthaus kann sich der Sogkraft von Omar Robert Hamiltons Geschichte über das Scheitern der arabischen Revolution in Kairo nicht entziehen. Der Kritiker liest den Debütroman des britisch-ägyptischen Filmemachers vor allem als Fortsetzung von Alaa al-Aswanis 2002 erschienenem Roman "Der Jakubijan Bau" über die Herrschaft Mubaraks: In drei chronologisch erzählten Teilen folgt Platthaus Hamiltons Alter Ego Khalil und dessen Begleitern durch Demonstrationen, Polizeigewalt-Orgien, Hoffnungen und Militärdiktatur in Kairo, liest mit stockendem Atem die detailreichen und exakten Schilderungen der Misshandlungen und Wunden und lauscht den verschiedenen Stimmen, die Hamilton in seinem Roman auftreten lässt. Ein rasanter Erzählton und drastische Filmschnitte lassen den Rezensenten allerdings nicht über Figuren-Klischees und allzu pathetische Momente hinwegsehen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.02.2018

Elektrisierend findet Rezensentin Sonja Zekri das Debüt von Omar Robert Hamilton. Halb autobiografischer Roman, halb Chronik aus Facebook-Posts, Tweets, SMS, Protest-Slogans und Schlagzeilen, bringt ihr der Text den arabischen Frühling noch einmal ganz nah. Die Figuren, Aktivisten der Revolution, verstrickt in Liebe und Zweifel an der Macht der Bilder und Medien, gehen der Rezensentin unter die Haut, ebenso die vom Autor mit Wucht entworfenen Szenen auf dem Tahir-Platz.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 03.02.2018

Omar Robert Hamiltons "Stadt der Rebellion" - im Original mit dem laut Rezensent Christopher Resch wesentlich treffenderen Titel "The City always wins" - ist im Grunde genommen kein Roman, stellt Resch nach der Lektüre fest. Vielmehr verdankt er dem britisch-ägyptischen Filmemacher mit diesem literarischen Debüt ein atemberaubendes zeithistorisches Dokument, das ihm die Umstände der Niederlage der ägyptischen Aufstände von 2011 so erschütternd wie anschaulich offenlegt. Der Kritiker folgt dem autobiografisch geprägten Helden Khalil und dessen Freundin Mariam durch die bittere Realität nach den Aufständen, begleitet die beiden bei ihrer Arbeit für das Chaos-Kollektiv - eine an das von Hamilton mitbegründete Mosireen-Kollektiv angelehnte Initiative, die in Tweets und Posts zu Versammlungen aufrief, die Polizeigewalt in Videoaufnahmen zeigte und mit Interviews von Eltern, die über ihre erschossenen oder gefolterten Söhne redeten, zusammenschnitt - und erlebt die Militärdiktatur unter Muhammad Mursi. Wie der Autor Einzelschicksale lebendig werden lässt und Folter, Albträume und scheiternde Hoffnung vor Augen führt, hat den Rezensenten tief und nachhallend bewegt.