Den Deutschen steigt das vermeintliche "neue Wirtschaftswunder" zu Kopf, so Olaf Gersemann, Ressortleiter Wirtschaft und Finanzen bei der Tageszeitung "Die Welt". Wir überschätzen unsere Kraft bei weitem und übersehen dabei unsere Anfälligkeit für neue Krisen. Selbstgefällig verklären wir Massenarbeitslosigkeit zu nahender Vollbeschäftigung und Beinahe-Stagnation zu kräftigen Aufschwüngen. Und auf fahrlässige Weise verkaufen wir der Welt unsere vielen Sonderwege wie die duale Ausbildung oder die extreme Fokussierung auf wenige Branchen als Stärken und übersehen dabei Schattenseiten und Risiken. Bald schon wird dem deutschen Aufschwung dauerhaft die Luft ausgehen. Sehr vieles wird daher anders werden müssen, damit manches so bleiben kann, wie es ist. Ebenso pointiert wie fundiert nimmt Gersemann die verzerrten Wahrnehmungen in Politik und Wirtschaft aufs Korn.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.10.2014
Dass die deutsche Wirtschaft nicht so boomt wie es den Anschein hat, liest Rezensent Leander Steinkopf gleich in zwei neuen Büchern. Dabei zeichne der Wirtschaftschef der "Welt", Olaf Gersemann, in seinem neuen Buch "Die Deutschland-Blase" ein wesentlich finsteres Bild als sein Kollege Marcel Fratzscher, auch wenn sich beide einig sind, dass die Gründe für die Fehleinschätzung im Vergleich mit den schwachen Euro-Krisenländern und den niedrigen Zinsen geschuldeten günstigen Exportbedingungen für Deutschland liege, informiert der Kritiker. Allerdings glaube Gersemann weniger, dass mit steigenden Investitionen die Problematik zu lösen sei. Des Weiteren muss Steinkopf bei dem Autor erfahren, dass fehlender Nachwuchs, mangelnde Produktivitätssteigerung, Überalterung und Abwanderung von Fachkräften nicht gerade die besten Vorzeichen für eine rosigere Zukunft sind. Dennoch hat ihm dieses lesenswerte Buch aufgezeigt, was es alles noch zu tun gibt.
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