Das Wachstum der Wirtschaft ist zur Ersatzreligion unserer Gesellschaft geworden. Vielen gilt es als Voraussetzung für Wohlstand, persönliches Glück und ein funktionierendes Gemeinwesen. Doch was ist, wenn es kein Wachstum mehr gibt? Was kann, was sollte an seine Stelle treten, um uns ein erfülltes Leben zu ermöglichen? Dass die beispiellose Wachstumsepoche, die die westliche Welt seit dem Zweiten Weltkrieg erlebt hat, zu Ende geht, sieht Meinhard Miegel als Herausforderung und Chance zugleich. Denn längst mehrt dieses Wachstum nicht mehr unseren Wohlstand, sondern verzehrt ihn. Es überlastet die natürlichen Ressourcen, die Umwelt und nicht zuletzt die Menschen. Dringend geboten ist ein intelligenterer Umgang mit den Gütern der Erde, die Achtung von Umwelt und Natur, vor allem aber ein grundlegend verändertes Verständnis unserer Möglichkeiten und Bedürfnisse. Es geht um nichts Geringeres als ein zukunftsfähiges Lebenskonzept.
Meinhard Miegels "Exit. Wohlstand ohne Wachstum" hat Rezensent Dieter Rulff nicht wirklich überzeugt. Ein wenig überrascht hat ihn die Heftigkeit, mit der der Autor, ehemaliger CDU-Vordenker und jahrelanger Leiter eines Instituts für Wirtschaft, die Ideologie des grenzenlosen Wachstums kritisiert. Der Kritik, auch wenn sie "im Ton so irritierend fundamental" anmutet, kann sich Rulff durchaus anschließen. Die Antworten aber, die Miegel gibt, haben ihn enttäuscht. Er hätte sich schon gewünscht, etwas genauer zu erfahren, wie zum Beispiel ein Unternehmen der Profitmaximierung entsagen kann, ohne den Untergang zu riskieren. Freilich sieht Rulff hier ein Manko, das Miegel mit etlichen linken Kritikern des Kapitalismus teilt.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 18.03.2010
Sind tatsächlich alle Geister der pointierten Argumentation aus Meinhard Miegel gefahren, der in früheren Büchern doch durchaus polarisieren konnte? Im Resümee des Rezensenten Wolfgang Uchatius finden sich nur Plattitüden wieder. Miegel, der lange vor Frank Schirrmacher das demografische Problem in Deutschland diagnostizierte, scheint nun bei der Kapitalismuskritik angekommen zu sein und stimmt - glaubt man Uchatius - ausschließlich die allerüblichsten Klagen an: Diese Welt ist kalt, wir verschmutzen sie, wir können nicht mehr miteinander umgehen, können die Frauen nicht auch mal eine Festrobe weniger kaufen? Uchatius deutet das als eine schwarz-grüne Koalition im Geiste. Aber irgendwie, so hat man das Gefühl, ist hier sowohl das Schwarze als auch das Grüne von gestern.
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