Olaf Gersemann

Amerikanische Verhältnisse

Die falsche Angst der Deutschen vor dem Cowboy-Kapitalismus
Cover: Amerikanische Verhältnisse
Finanzbuch Verlag, München 2003
ISBN 9783898790512
Gebunden, 304 Seiten, 34,90 EUR

Klappentext

Dieses Buch zeigt: In Zeiten, da rascher technischer Fortschritt und Globalisierung erhöhten Anpassungsdruck erzeugen, ist Deutschlands Kuschel-Kapitalismus dem amerikanischen Cowboy-Kapitalismus unterlegen. Der Preis, den Deutschland für sein Wirtschaftsmodell in Form mageren Wirtschaftswachstums und skandalös hoher Unterbeschäftigung zahlt, ist mittlerweile gewaltig.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.07.2004

Der Rezensent G. S. ist offensichtlich der Ansicht, er könne sich darauf beschränken, die Thesen von Olaf Gersemanns Buch "Amerikanische Verhältnisse" zu referieren. Und diese sind ja auch tatsächlich erstaunlich. Gersemann widerlege, statistisch argumentierend, die weit verbreitete Ansicht, "die USA bezahlten ihr Wirtschafts- und Beschäftigungswachstum mit unerträglicher Ungerechtigkeit, sozialer Unsicherheit und Verarmung großer Teile der Bevölkerung". Vergleiche man die angeblich desaströsen amerikanischen Verhältnisse mit den deutschen, so Gersemann, so G. S., dann zeige sich, "dass die Lebensqualität in den USA gemäß dem Human Development Index" die höhere sei. Die "Ungleichheit der Bruttoeinkommen" sei wohl wirklich höher als in Deutschland, allerdings verteile auch das amerikanische Steuersystem stärker um. Zudem sei die Chancengleichheit in den USA größer als in Deutschland. Bei uns hänge schulischer Erfolg stärker vom Status der Eltern ab. Auch seien die Ärmsten der Armen in Übersee keineswegs ärmer dran als hierzulande, und mehr als ihre schweizerische Vergleichsgruppe besäßen sie allemal. In puncto "medizinische Unterversorgung" biete Gersemann gleichfalls keinen Trost: Wohl sei diese ein großes soziales Problem, aber "auch die 40 Millionen Menschen ohne Versicherungsschutz" bekämen in den amerikanischen Krankenhäusern kostenlose Versorgung. Noch ein Schlag ins Kontor für die Eurozentriker: Die Amerikaner konsumieren laut Gersemann "mehr Obst und Gemüse, aber weniger Alkohol und Nikotin" als die Deutschen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.02.2004

Karen Horn findet die Argumentationen dieses Buches, das den amerikanischen und den deutschen Kapitalismus miteinander vergleicht und dabei mit gängigen Vorurteilen über den vermeintlichen "Cowboy-Kapitalismus" in Amerika aufräumen will, sehr überzeugend. Der Autor Olaf Gersemann zeigt in seiner Studie die "zahlreichen Facetten" der hierzulande verbreiteten Ablehnung der "amerikanischen Verhältnisse" auf und entlarvt sie als "Zerrbild", das mit den realen Verhältnissen keineswegs übereinstimmt, betont die Rezensentin. Sie lobt die Arbeit für ihre gute Lesbarkeit und hat mit großem Interesse die Untersuchungen zur Armutsentwicklung, Einkommen und Sozialleistungen zur Kenntnis genommen, die das amerikanische Wirtschaftssystem gar nicht so schlecht dastehen lassen, wie in deutschen Polemiken immer behauptet wird. Gersemann räumt mit "Stereotypen" auf und wirbt plausibel für Reformen in Deutschland, lobt die Rezensentin abschließend zustimmend.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.12.2003

Olaf Gersemann hat es sich bei diesem Buch über die amerikanische Wirtschaft auf die Fahnen geschrieben, den "Mythos Raubtierkapitalismus" zu zerstören, meint Christoph Albrecht, der sich von den Argumenten des Autors insgesamt recht überzeugt zeigt. Gersemann unternehme es in drei Kapiteln, in denen er dem amerikanischen "Cowboy-Kapitalismus" den deutschen "Kuschel-Kapitalismus" gegenüberstellt, gängige "Vorurteile" - etwa der amerikanische Kapitalismus führe zu wachsender Armut oder fehlender Krankenversicherung - zu widerlegen, fasst der Rezensent zusammen. Er meint, man könne die Einsichten, die Gersemann in seinem Buch versammelt "gar nicht oft genug wiederholen", auch wenn sie im Einzelnen nicht neu seien. Ein "informatives Buch", lobt Albrecht, der dennoch bezweifelt, ob sich der Autor mit seiner Sicht der Dinge Gehör verschaffen kann. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass sich in diesem Buch alles um "Wachstum, Profit, Produktivität und - Konsum" dreht, und das wollen insbesondere die "Eliten" in diesem Land nicht hören, meint Albrecht.
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