Horst Afheldt

Wirtschaft, die arm macht

Vom Sozialstaat zur gespaltenen Gesellschaft
Cover: Wirtschaft, die arm macht
Antje Kunstmann Verlag, München 2003
ISBN 9783888973444
Gebunden, 240 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Wirtschaften wir uns arm? Von dem einst selbstverständlichen Ziel, Wohlstand für alle zu schaffen, ist schon lange nicht mehr die Rede. Im Gegenteil: Wo immer über dringend nötige Reformen diskutiert wird, heißt es: Löhne senken, Wachstum steigern, Beseitigung aller Handelshemmnisse und Entlastung der "eigentlichen Leistungsträger", der Unternehmen, von Steuern und Abgaben. Obwohl Wirtschaftsexperten wie Joseph Stiglitz oder George Soros längst die verheerenden Folgen einer ungehemmten Liberalisierungspolitik für Wirtschaft wie Gesellschaft beschrieben haben, werden diese Patentrezepte unverdrossen angeboten. Horst Afheldt unterzieht die "harten Fakten" aus 25 Jahren Wirtschaftsliberalismus einer schneidenden Analyse. Sie zeigt, dass vom wachsenden "Sozial-Produkt" immer weniger bei den Bürgern ankommt, dass die derzeitige Wirtschaftsordnung zu einer gespaltenen Gesellschaft führt - und damit für alle zunehmend unwirtschaftlich wird.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 28.02.2004

Nicht wirklich überzeugend findet Rezensent Detlef Gürtler dieses Buch des "altgedienten Kassandristen" Horst Afheldt, der sich "geradezu besessen" von der Ausweglosigkeit der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Lage zeige und in jedem Kapitel "den Untergang" prophezeie. Die einzige Rettung sehe Afheldt in einem "Rückfall in die Vormoderne" mit einer Schutzzollmauer um die Europäische Union, und zwar für alle Produkte. Kritisch hält Gürtler dem Autor vor, mit Daten und Fakten "nonchalant" umzugehen, etwa wenn er eine seiner zentralen Überzeugungen, der Neoliberalismus mache die Reichen reicher und die Armen ärmer, zu belegen sucht. Für den "sinkenden Weltmarktpreis für Arbeit" liefere Afheldt gar keinen Beleg - "wohl deshalb, weil es keinen gibt", wie Gürtler meint. Die Formulierung schließlich von Afheldts Prognose, dass "Arbeit billig wird wie Dreck", sei "offenbar zu schön", so der Rezensent, "als dass er sie sich von der Realität kaputt machen lassen möchte."

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.12.2003

Offensichtlich mit Interesse hat Johano Strasser das Buch von Horst Afheldt gelesen, die Rezension liest sich wie ein kleines Abstract, in dem die grundlegenden Argumente noch einmal vorexerziert werden. Afheldt sei eine von den in Wissenschaftlerkreisen neuerdings lauter werdenden Stimmen, die Zweifel an den neoliberalen "Patentrezepten" hegen, die seit den Neunzigern etwa beim Thema Freihandel den wirtschaftspolitischen Kurs bestimmen. Auf Dauer könnten sich Wissenschaftler zum Glück "nur schwer" den Fakten entziehen, "wenn sie nicht zu reinen Ideologen werden wollen". So weise Afheldt in seinem Band auf viele Tatsachen hin, etwa auf die bisherige Nutzlosigkeit von Steuersenkungen und Ausgabenkürzungen in Bezug auf den Stellenmarkt. Der Autor wage es schließlich, "das Undenkbare" zu denken: dass der Freihandel angesichts der kulturellen Unterschiede ein "ruinöses" System sei, das wir "nicht um jeden Preis" aufrechterhalten sollten.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 20.11.2003

Rudolf Walther schätzt den Autor Horst Afheldt als "klaren und radikalen" Kopf, und in dieser Hinsicht enttäuscht ihn auch dieses Buch nicht, das sich gegen die neoliberale Wirtschaftsentwicklung ausspricht. Der Autor weist mit plausiblen Zahlen nach, dass die Behauptung, "Wirtschaftswachstum schaffe Wohlstand und Arbeitsplätze, haltlos" ist, so der Rezensent überzeugt. Ebenfalls einleuchtend findet Walther die Ausführungen Afheldts, dass im Zuge des Wirtschaftsliberalismus zwar die Unternehmen deutlich wohlhabender werden, abhängig Beschäftigten aber keineswegs in gleicher Weise profitieren, sondern insgesamt weniger verdienen. Der Rezensent räumt ein, das es einfacher ist, die "Ziele" einer wirtschaftlichen Umorientierung zu benennen, als aufzuzeigen, wie diese Ziele erreicht werden können. Vorschläge, wie vorzugehen wäre, bleiben deshalb bei Afheldt auch eher "vage", gibt Walther zu. Dennoch sieht er das "Verdienst" dieses Buches keineswegs geschmälert und streicht noch einmal nachdrücklich die "überzeugenden Argumente" und die "klare" Sprache heraus, mit der der Autor seine Kritik am herrschenden Neoliberalismus formuliert.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.11.2003

Als "provozierend und anregend" empfindet Rezensent Warnfried Dettling diese kritische Auseinandersetzung mit Neoliberalismus und Globalisierung von Horst Afheldt. Zufrieden damit ist er allerdings nicht so ganz, denn das Buch ist weder Fleisch noch Fisch: Es gebe wenige politische Bücher, so Dettling, "in denen richtige Problemanzeigen, abenteuerliche Ökonomie und ein gewisser Wirklichkeitsverlust so dicht und so friedlich nebeneinander hausen." Zwar ist er sich in vielem mit dem Autor einig, etwa wenn dieser ausführt, dass die Wirtschaft allen dienen müsse. Doch Afheldts Analysen der Weltwirtschaft sowie seine Darstellung der sozioökonomischen Lage hierzulande wirken auf Dettling schlicht "wirklichkeitsfremd". Trotzdem verdient das Buch nach Dettlings Ansicht aus zwei Gründen Beachtung: zum einen, weil es als ein früher Hinweis auf eine "neuartige Ideenkonstellation von links und rechts" gesehen werden kann, die nicht mehr bereit ist, alles ökonomischen Imperativen unterzuordnen. Zum anderen - weil es mit seiner, wenn auch über das Ziel hinaus schießenden - Kritik am Kapitalismus und der Globalisierung einen Beitrag leistet, den ungezügelten Kapitalismus wieder mehr zu regeln.
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