Odo Marquard

Endlichkeitsphilosophisches

Über das Altern
Cover: Endlichkeitsphilosophisches
Reclam Verlag, Stuttgart 2013
ISBN 9783150202784
Broschiert, 98 Seiten, 8,95 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Franz Josef Wetz. Der Band versammelt die wichtigsten Texte des Philosophen und Transzendental-Belletristen Odo Marquard zum Thema Altern. Er enthält "Einwilligung in das Zufällige", "Vernunft und Humor" und "Zum Lebensabschnitt der Zukunftverweigerung", sodann die bereits bei Reclam erschienenen "Verweigerung der Bürgerlichkeitsverweigerung" und "Zeit und Endlichkeit", vor allem aber ein neues Interview "Das Alter" - mehr Ende als Ziel, das Franz Josef Wetz, sein Schüler und der Herausgeber des Bandes, mit dem Philosophen geführt hat.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.09.2013

Martin Meyer versucht, nicht allzu melancholisch zu werden mit diesem Sammelband mit Aufsätzen und Frage-Antwort-Situationen des Philosophen Odo Marquard. Marquard geht darin dem alten Skandal des Altern zum Tode hin nach, skeptisch, nüchtern, ohne Erlösungsfantasien zu entwickeln, wie Meyer erleichtert feststellt, der hier und dort auch ein klein wenig Bitterkeit erkennt, etwa wenn der Autor die Unvollendetheit eines jeden Lebens beklagt. Zum Überleben bietet der Band laut Meyer allerdings ausreichend Anregungen - lebensweltliche, lebensdienliche.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.07.2013

Odo Marquard bezeichnet sich im hohen Alter von fünfundachtzig Jahren zwar nicht als weise, aber wenigstens glaubt er sich "frei von der Zukunftshörigkeit" der Jugend, der schlichten Tatsache, dass Menschen sich anpassen, weil sie im Zweifelsfall noch eine ganze Weile mit den Konsequenzen ihres Handelns leben werden müssen, erklärt Lorenz Jäger. Marquards Erkenntnisse in "Endlichkeitsphilosophisches" sind weder beschönigend noch melancholisch, berichtet der Rezensent. Einerseits erkennt er die üblichen Übel an - Krankheiten, Müdigkeit und ein Verzicht auf so manche sinnliche Freude etwa -, andererseits hat er einen Blick auf die eigene Endlichkeit gefunden, der ohne großes Pathos auskommt, fasst Jäger zusammen - durch Humor. Der Humor erlaubt die gleichzeitige Anerkennung und Distanzierung von der eigenen Sterblichkeit und ermöglicht so eine "lebbare Endlichkeit", lernt der Rezensent von Marquard.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 21.03.2013

Odo Marquard war einmal der Ansicht, das Alter zeichne sich durch eine "solide Schandmaulkompetenz" aus, begründet durch einen Mangel an Zukunft, die einem den Nonkonformismus sonst mit einem kräftigen Tritt quittieren könnte, weiß Franz Schuh. In Marquards neuem Buch "Endlichkeitsphilosophisches" hat der Rezensent in einem Interview mit dem Herausgeber ein "folgenschweres Dementi" entdeckt: statt gesteigertem Wadenbeißertum bringe das hohe Alter nur "intellektuellen Appetitmangel" mit sich, heißt es dort. Im Buch selbst hat der Autor "kleine, der eigenen Endlichkeit verpflichtete Interventionen" versammelt, die ausreichend Raum zum Selberdenken lassen, nicht ohne Witz und Ironie, aber oft auch melancholisch, berichtet Schuh. Nur eines möchte der Rezensent Marquard noch nahelegen: gerade wer nur wenig Zukunft übrig hat, sollte sich nicht hier und jetzt schon totstellen.