Nicolas Mathieu

Connemara

Roman
Cover: Connemara
Hanser Berlin, Berlin 2022
ISBN 9783446273771
Gebunden, 432 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Lena Müller und André Hansen. Hélène ist fast vierzig Jahre alt. Sie hat Karriere gemacht, geheiratet, zwei Töchter bekommen und lebt in einem Architektenhaus in der Nähe von Nancy. Sie hat sich den Traum ihrer Jugend erfüllt: abhauen, das Milieu wechseln, erfolgreich sein. Christophe hingegen hat die kleine Stadt im Osten Frankreichs, in dem er und Hélène aufgewachsen sind, nie verlassen. Er verkauft Hundefutter und führt ein unentschlossenes kleines Leben. Bis er Hélène wiedertrifft. "Connemara" ist eine Geschichte über das tiefe Unbehagen der Klassenaufsteiger und über unsere moderne Arbeitswelt zwischen PowerPoint und Open Space. Es ist auch eine Geschichte über das Zittern in der Mitte des Lebens, und über die Sehnsucht, noch mal von vorne zu beginnen. Nur dass bei Nicolas Mathieu das Politische immer im Privaten verborgen liegt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 02.12.2022

In "Connemara" kommen die beiden großen Talente des französischen Prix-Goncourt-Gewinners Nicolas Mathieu zum Tragen, stellt Rezensent Stefan Michalzik fest: die analytische Schärfe des Soziologen Mathieu, und das erzählerische Talent des Schriftstellers. Sein Spielfeld: Ein bürgerliches Leben in der Provinz. Hélène hat eigentlich alles, was man so braucht als selfmade woman, nur eben etwas zu wenig Abwechslung. Die Lösung, ganz klassisch: Eine Affäre mit dem Jugendschwarm, der zur Projektionsfläche für Hélènes Wünsche wird. Atmosphärisch dicht und mit viel Einfühlungsvermögen beschreibt der Autor die Beziehung zwischen der Karrierefrau und dem alternden Hundefutter-Vertreter - Typ "Allerweltsdepp", der vor allem von Fußball, Autos und Frauenhintern angezogen wird und sich in der modernen Welt nicht mehr ganz zuhause fühlen kann, so Michalzik. Gleichzeitig zeichnet Mathieu ein detailliertes Bild jener Gesellschaftsschicht, in deren Alltag Hélène zu ersticken droht, und insbesondere der vom Effizienzdruck geprägten Arbeitswelt dieser Schicht. Nicolas Mathieu hat mit "Connemara" eine feinfühlige wie zugleich konzise Geschichte über das langsame "Verpuffen der Lebensträume" im bürgerlichen Milieu geschrieben, so der angetane Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.11.2022

Rezensent Rainer Moritz lobt an Nicolas Mathieus Roman über eine Frau, die hinter einem idealen Lebensentwurf auf Abgründe stößt, den genauen Blick auf Milieus und ihre Wirkung auf das Leben des Einzelnen. Zudem schildert der Autor eindringlich die Zerrissenheit der Figur zwischen äußerem Ideal und innerer Unzufriedenheit, findet Moritz. Beklemmend wirkt auf den Rezensenten auch das Panorama Frankreichs zwischen Zukunftsangst und Nostalgie, das der Roman zeichnet.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 29.09.2022

Rezensent Dirk Fuhrig wird beim Lesen von Nicolas Mathieus "Connemara" genauso melancholisch wie beim Hören von Michel Sardous berühmtem Chanson "Les lacs du Connemara". Der 1978 in Épinal geborene Autor erzählt in seinem "atmosphärischen" Generationen- und Familienroman von Hélène, die mit ihrem Kindern nach einem Burn-out in ihre Heimatprovinz zurückgekehrt ist und dort ihrer gealterten Jugendliebe Christophe wiederbegegnet. Fuhrig ist beeindruckt, wie genau und mitfühlend Mathieu das Leben in der Provinz ausleuchtet. Ein Leben ohne Veränderungen, aber nicht ohne Sehnsüchte, so der Rezensent, der eine Leseempfehlung ausspricht.

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